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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1877-01-01 · 1877 · page 33

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1877
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
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31 Gefühlen folgen oder nicht — aber keinen, wenn ich ihm sage, dass er überhaupt etwas nicht fühlen solle. Darüber zu bestimmen, steht bekanntlich nicht in unserer Gewalt. Aeltere Erklärer haben diese Schwierigkeit auch wohl bemerkt und einer von ihnen hat darum folgende Erläuterung vorgeschlagen: Wenn ein Gefäss voll Wasser ist, sagt er, so kann nichts mehr hinein. Etwas Aehnliches lässt sich von unserem Herzen behaupten. Ist dasselbe voll von Gottesfurcht, dann kann nichts Anderes mehr hinein und also auch keine Begierde. Soll das zehnte Gebot demnach einen Sinn haben, meint er, so kann es nur bedeuten, dass wir unser Herz vollständig mit etwas Anderem und dann natürlich mit dem Besten, mit Gottesfurcht, erfüllen. Das ist sehr scharfsinnig ausgedacht, aber nicht wahr. Wenn nämlich unser Herz wirklich so voll davon sein könnte, dann könnten ja auch andere Empfindungen, z. B. die des Hungers, nicht hinein, und der Tod müsste die unausbleibliche Folge davon sein ,* wir hätten dann eine neue, gar seitsame Art von Selbstmord, nämlich durch Gottesfurcht»20). — Dieser Einwand trifft aber nicht die Lösung des Aben Esra : «Warum verlangt der Bauer nicht nach des Fürsten Weib, wohl aber nach dem seines Nachbars? Weil nur jenes, nicht dieses für ihn unerreichbar ist. Was nun die Macht der Verhältnisse über den Gang unserer Empfindungen vermag, das soll die Kraft der Gottesfurcht über uns vermögen, dass wir nach dem von Gott Verbotenen gar nicht begehren.» Gleichwohl verdient volle Beachtung, was Ree an der angeführten Stelle sagt: «Es ist offenbar die Phantasie, worauf sich unser Gebot bezieht. Regen sich in uns solche Triebe, deren Befriedigung an äusseren Verhältnissen oder am Gewissen ein Hinderniss findet, so erfolgt zwar zunächst keine Handlung, aber häufig soll dann ein Gebilde der Phantasie unsere Entschädigung 20) Anton Räe, Wanderungen eines Zeitgenossen auf dem Gebiete der Ethik. I. S. 105.

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