Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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26 Eins darf — bei der Vergleichung der Rabbinen mit den Propheten — nie vergessen werden: Die Propheten haben mit ihren Reden sich meist an das Volk gewendet oder an die Grossen, die in weltlichen Bestrebungen befangen, auch das Gesetz weitlieh zu verletzen oder zu befolgen geneigt waren; die Rabbinen haben mit ihren Wortep und Lehren sich an die Schule, an die Jünger gewendet, die in der Gesinnung so einmüthig und so zweifellos, im innersten Sinne ihres Wollens und Strebens so ganz der höchsten Sittlichkeit ergeben waren, dass von häufiger Mahnung nach dieser Richtung hin nicht wohl die Rede sein konnte. Die Gesetze auszulegen und festzustellen, systematisch zu ordnen, harmonisch auszugleichen, das war ihnen ein heiliges Geschäft; die Gesinnung, aus und mit welcher sie zu erfüllen seien, war eine stillschweigende, unbestrittene, allezeit erfüllte Voraussetzung. Nichts desto weniger fehlt es auch an Ueberlieferungen aus öffentliehen Reden und deshalb an Aussprüchen nicht, welche bei dem unvermeidlich im menschlichen Leben auftauchenden Gegensatz oder wenigstens Unterschied von äusserer Handlung und innerer Gesinnung die Nothwendigkeit und den ausschliesslichen Werth und die wahre Würde der letzteren in’s Licht stellen. Die Opfer galten als vorzugsweise heilige Gebräuche; aber seit den Tagen der Propheten war die Gefahr erkannt, dass gerade sie als äusserer Dienst dargebracht werden; sehr natürlich: da sie nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar, d. h. symbolisch einen religiösen Gedanken zum Ausdruck bringen können, so wird es schwer, den inneren Sinn an die äussere That sicher zu fesseln. Anders ist es mit Handlungen, welche unmittelbar, sie seien religiöser oder sittlicher Art, ein Inneres zum Ausdruck bringen. So hören wir denn von einem hervorragenden Manne, von R. Eleasar ben Pedat, welchen man trotz seiner babylonischen Abkunft den Meister des Landes Israel nannte3), den Ausspruch: 3) Niddah 20 b. Joma 9 a. Gittin 19 b.