Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1877
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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20 Bedeutung, welche dieser zukommt, tritt dann noch die negative; wer sich dem Studium ergiebt, ist so lange er es thut, gleichsam der Sünde, weil dem Anlass zu ihr und der Welt selbst, entzogen; er ist in einer ethisch reinen, allem Gemeinen und allem Egoistischen entrückten Atmosphäre14). Daher auch die strenge Anschauung des Rabbi Jakob: Wer des Weges wandelt und das Erlernte wiederholt, sich unterbricht im Lernen und spricht «wie schön ist dieser Baum, wie herrlich dieser Acker», dem rechnet es die Schrift an, als hätte er sich gegen seine Seele verschuldet15). Und eben damit hängt zusammen, dass das wissenschaftliche Studium überall von den weltlichen Zwecken und Antrieben ferngehalten werden soll16). Auch diejenigen also, welche der Theorie 14) Perek Kinjan Torah 1 u. 2. — Kiduschin 30 b בראתי יצר הרע ובראתי לו תורה תבלין ובו'• Succah 52 b: אם פגע בך מנוול זה משכהו לבה״ט 15) Abot in, 7״ Homiletisch ist bei dieser Mischnah allerdings auch die Deutung zulässig: wer die geoffenbarte Lehre negirend aufgiebt und die Naturreligion an deren Stelle setzt, der gefährdet sein Seelenheil, (s. den Commentar Solet leminchah zur Stelle) die exacte Forschung aber muss diese Deutung abweisen. Richtiger, aber immer noch mit homiletischem Beisatz, ist die Bemerkung eines anderen Auslegers: Die Bewunderung der Naturschönheiten ist bei den Frommen mit einem Lob des Schöpfers unzertrennlich verbunden und kann von den jüdischen Weisen umsoweniger als profan und sündlich angesehen worden sein, als sie dafür einen Segensspruch anordneten, den man im Frühling beim Anblick der blühenden Bäume sprechen soll: Gelobt seist du, unser Gott, Herr der Welt, der es an nichts hat fehlen lassen in seiner Welt, edle Schöpfungen und Bäume geschaffen hat, daran der Mensch sich erquickt und erfreut (b. Gern. Berachot 43 b). Dennoch galt ihnen das Nachdenken und Forschen über Gottes Lehre und Gesetz als ein so hochheiliges Geschäft, dass sie den Uebergang von diesem zur Betrachtung der Natur als einen Rückgang vom Heiligen zum Unheiligen, oder wenigstens Minderheiligen ansahen und den Tadel gegen denjenigen nicht unterdrücken konnten, der von den Wundern und Geheimnissen in der geoffenbarten Lehre nicht in dem Masse angezogen und erfüllt ward, dass ihm während der Beschäftigung mit denselben der Anblick eines schönen Baumes eine Unterbrechung abzuzwingen im Stande war. Von der Erde zum Himmel, nicht umgekehrt. 16) Wer sich mit Torah beschäftigt ihrer selbst wegen, dem wird sie kräftigender Balsam, heilende Arznei, ein Lebensbaum; wer sie aber treibt in kleinlicher Nebenabsicht, der trinkt mit ihr das Gift des Todes (Taanit 7a). Wolle nicht