Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 157)
- Language
- German
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in auf die innerste Natur alles menschlichen Schaffens hindeutend, sagt der deutsche Volksmund, ein Wohnhaus ist nicht fest und fertig, bis ein Bewohner desselben als Leiche aus ihm fortgetragen wird. Für unsere Anstalt war es nun der Schöpfer und Baumeister selbst, der seinem Bauwerk die erhabene Weihe des Schmerzes gegeben. Die Grösse eines Mannes zeigt sich in seinen Werken, die Grösse eines Werkes aber darin, dass es seinen Meister überdauert. Mehr aber als irgend ein geistiges Werk ist es eine sittliche, geistige Institution; in welcher der schöpferische Geist dadurch sich kund thut, dass er, auch nach seinem Scheiden, in ihr schöpferisch fortwirkt. Nicht bios das Andenken, sondern auch die Gedanken Frankels werden dem theologischen Seminar unvergesslich, ein unerschöpflicher Segen sein. Der innigsten Dankbarkeit, der reinsten Verehrung, der seelenvollsten Pietät für den hingeschiedenen ersten Director können wir keinen besseren Ausdruck geben als in dem tiefgefühlten Wunsche: dass der Geist, den er dem Seminar eingehaucht, der Geist, in dem er es geleitet hat, in demselben dauern und allezeit mit gleichem Segen es erfüllen möge. Nach dein Ableben des sei. Dr. Z. Frankel ist der Unterzeichnete zum Director des Seminars berufen und am 28. September durch das Curatorium in Gegenwart des Lehrercollegii und der Studirenden des Seminars in sein Amt eingeführt worden. Herr Curator Stadtrath Dr. Mark wies hierbei auf die hohe Bedeutung des feierlichen Aktes für den Neueintretenden wie für die Anstalt hin; — handle es sich doch im vorliegenden Falle nicht um einen einfachen Wechsel in der Dirigentenstelle, sondern um den Ersatz des Mannes, welcher dem Seminar weit mehr als der Director, der recht eigentlich sein geistiger Vater, sein Organisator gewesen, — des Mannes, der den vom Stifter gegebenen materiellen Bedingungen der Existenz die geistigen Fundamente hinzugefügt, — des Mannes, der dem unter schwierigen Verhältnissen ins Leben gerufenen Werke seine volle Hingebung und die Jahre seines vollendetsten Wissenschaftliehen Wirkens gewidmet, der der Anstalt in einer Weise den Stempel seiner Thätigkeit aufgedrückt habe, dass man das hiesige jüdisch-