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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 153

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 153)
Language
German
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149 durfte es auch da nicht, wo Israels Religion die herrschende war. Nur die selbstverständlichen Gesetze jedes geordneten Zusammenlehens und die Enthaltung von öffentlichem Götzendienste seien im Israelitischen Staate von jedem Fremden verlangt worden1). — Der in seiner Zeit unter den hart verfolgten Glaubensgenossen hie und da auftauchenden Ansicht: gegen Götzendiener und Andersglaubende, die, wo sie es nur vermögen, Israel verfolgten und schädigten, wäre Täuschung und Ueberlistung im Geschäftsverkehr erlaubt — tritt M. voll Eifer und Nachdruck entgegen. Er macht hierbei geltend, dass der Talmud (Chull. 94 a) ausdrücklich bemerke, man dürfe nicht einmal die Vorstellung eines erlangten Vortheils oder einer empfangenen Wohlthat fälschlicher Weise in irgend einem Menschen erregen und wäre es auch ein Götzendiener. Vollends ein Verfahren, das Aergerniss giebt und den Ruf der Religion herabsetzen könnte, sei sehr sündhaft und eine sittliche Schädigung des Thäters. Mit klaren Worten seien solche Uebelthaten als Greuel vor Gott, die er tief verabscheue, bezeichnet worden2). Selbstverständlich ist dem M. der schon im Talmud (Bai. Imm. 113 a) als maszgehend anerkannte Ausspruch b׳. AKIBA’s, dass Raub und Diebstahl an Nichtisraeliten schlechterdings verboten sei3). — Meine Meinung ist, sagt M., dass den Fremden die Vortheile der Gesittung und der Mildthätigkeit wie den Glaubensgenossen zugewendet werden müssen, wie wir ja auch im Falle der Noth für ihren Unterhalt zu sorgen verpflichtet sind (5. Mos. 14, 21). Alle Andersglaubenden sollen wir im Interesse eines friedlichen Zusammenlebens an den Wohlthaten unserer Krankenpflege, Leichenbestattung und Armenunterstützung, wo es nöthig ist, Theil nehmen lassen. «Gott ist gütig,» heisse es in der Schrift, «gegen Alle; sein Erbarmen erstreckt sich über alle seine Geschöpfe» (Ps. 145, 9), und es werde der Lehre Israels nachgerühmt (Spr. 3, 17): «Ihre Wege sind Wege der Huld, und alle ihre Bahnen Frieden»4). *) JET. Melach. VIII, 10 —־ vgl. IX, 1 — nach talmndischen Quellen. 2) Zu Kelim XII, 7. Vgl. ob. S. 42; S. 86, A. 7; S. 87, A. 1. 3) H. Genebdh I, 1; H. Geselah I, 2. 4) H. Melach. X, 12.

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