Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 136)
- Language
- German
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132 für die Thiere und umsomehr für die Menschen zu lehren1). Aus derselben Rücksicht auf unser Gemüth verbiete das mos. Gesetz (5. Mos. 25, 4), das Thier heim Dreschen am Fressen zu hindern2). C. Die Erwerbung und Wahrung geistigen Eigenthums hat, wie wir gesehen haben3), für M. die Bedeutung einer geistigen Selbsterhaltung, da sie nach ihm das eigentliche Mittel zur Unsterblichkeit ist. I. Um die Begründung eines geistigen Eigenthums zu sichern, muss ein gewisser Idealismus im Leben vorwiegen. Sowohl dem religiösen wie dem weltlichen Studium, welches in seiner Vereinigung eine höhere Weltanschauung und wahre Gotteserkenntniss ergiebt, muss ein grösseres Interesse und, wo möglich, ein grösseres Zeitmasz zugewendet werden als der Erwerbsthätigkeit; eine zu weit getriebene Beschäftigung mit den materiellen Bedürfnissen und vollends mit dem Ueberflüssigen schädigt die Bereicherung des Geistes4). Darum schiebe man ja nicht die Arbeit für den Geist immer weiter hinaus, in der vorgeblichen Absicht, die äusserlichen Angelegenheiten nur erst ganzlieh zu erledigen5). Verzichtleistung auf Besitzthum und Bequemlichkeit um unseres Geistes willen darf uns nicht als eine übertriebene Zumuthung erscheinen6); die Geschichte der früheren Zeit zeigt uns viele herrliche Beispiele dieser Art7). Und fehlt es der feurigen Jugend an Ernst und Neigung zu solcher Verwendung erübrigter Müsse, so steigt doch naturgemäss mit der Zunahme der Jahre auch das Interesse an geistiger Sammlung und theoretischer Erkenntniss8). II. Die Studien führen aber zur Aneignung geistigen Eigenthums nur dann, wenn sie mit Gründlichkeit betrieben werden. Nicht geniessende und behagliche Leetüre, sondern ArbeitundAnstrengung des Geistes führen den Jünger der Wissenschaft zu seinem Ziele9). Das Gegentheil davon, die 0 b e r f 1 ä c h 1 i c h k e i t, die sich breit macht und über Wissenschaften abspricht, ohne dieselben genauer zu kennen, ף Das. III, 48. 2) Das. III,. 42. 3) Ob. S. 38, A. 2; S. 51, A. 4; S. 57, A. 1; S. 99, A. 2; S. 101, 4; S. 108, V. 4) Zu Sank. III, 8; Mor. I, 34, Grund 5. 5) H. T. tor. III, 7. 9 Schluss. 6) Das. III, 6. 7) Das. III, 5. 8) Mor. III, 51. 9) Zu Ab. V, 22. — Ygl. die schönen Stellen über das Studium der Religionsquellen in H. T. tor. III, 12 und über metaphysische Studien Mor. I. 34, Grund 3 Anf.