Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 137)
- Language
- German
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183 ist ein weit verbreitetes Üebel, zuweilen auch bei denen zu finden, die in einer bestimmten Wissenschaft sich wirklich hervorgethan haben1). Ist doch die Oberflächlichkeit gar so bequem, um in allen Disciplinen — sie mögen nun die Natur oder die Sitten oder die Religion behandeln — über Schwierigkeiten leicht hinwegzukommen und tolle Einfälle als Theorien aufzustellen•, wogegen die Gründlichkeit sich mit Zweifeln und Schwierigkeiten plagt und sorgfältiges Nachdenken sich nicht ersparen kann2). Namentlich ist eine gründliche wissenschaftliche Vorbereitung für philosophische Studien nothwendig, wo Missverständniss und Irrthum dem gewöhnlichen Manne allenthalben drohen3). Der nach Alter, Fassungsgabe und Wissensstufe noch ungereiften Jugend vorzeitige Belehrungen metaphysischer Natur in der Schriftdeutung oder in philosophischen Disciplinen zu geben, ist für dieselbe ebenso verhängnissvoll wie für Säuglinge die schwere Nahrung durch Brod und Fleisch4). Es sei vielmehr ein bestimmter Studien gang unverbrüchlich einzuhalten5). Indessen gebe es auch eine abzuweisende falsche Gründlichkeit, die Beweise verlangt, wo die Natur der Sache dieselben unmöglich macht, das Unerwiesene wie ein Widerlegtes verwirft oder die im Erkenntnissgebiete berechtigten Ansprüche der menschlichen Wissbegierde übertreibt6). III. Sachlichkeit ohne Einmischung persönlicher Beziehungen gehört zu den Bedingungen wahrer Wissenschaft. M., der als Schrift- Steller nur die Eine Absicht hatte, seinen Lesern förderlich zu sein, verschmähte deshalb, seiner eignen Erklärung gemäss, durch die Autorität und Verherrlichung oder durch Herabsetzung und Verkleinerung Anderer zu wirken7). ף Pirk. Mosch. 25, fol. 58 a. f. 2) Sendschr. an Sult. Almalik in K. ehern. III, S. 27. 3) Zu Ghag. II, 1. 4) Mot. I, 38 und 34, Grund 2. — Vgl. bachja, JHpfl. V, 5 S. 285. — Sehr geringe Kenntniss Maimonidisclier Grundsätze verräth oder setzt bei seinen Lesern der Verf. der dem M. untergeschobenen Schrift מגלת סתרים (in Ghemd. gen., 42 aff. od. in Kob. I!, 35 aff.) voraus, da er M. die Kabbalah damit empfehlen lässt, dass sie die schwierigsten metaphysischen Probleme leicht erkennen lehre, während die Philosophie mühselige Studien erfordere, ohne darum volle und sichere Erkenntniss zu schaffen. 5) Mot. I, 34, Grund 3. Vgl. ob. S. 108, A. 2. 6) Mw. I, 32. 7) Abhandlung über Auferstehung, Einl. Ende. — Vgl. S. 11 und A. 2 das.