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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 131

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 131)
Language
German
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IRI
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M. selbst ist ein Muster der Sanftmuth, Friedensliebe und Bescheidenheit Schmähungen gegenüber, die Andere aus der Fassung bringen. Verunglimpfungen seines religiösen und sittlichen Charakters, sagt er, könnten ihm weder schaden noch ihn in Zorn bringen. Er könnte so Etwas selbst hören oder sehen, und je nach den Umständen schweigen oder sanft antworten. Sich selbst sein Recht zu erstreiten, erscheint ihm unter seiner Würde1). Seine Freunde bittet er, sich seinetwegen nicht zu ereifern2). Einst, als ich noch jung war, schreibt M. an seinen Schüler und Freund Ibn Aknin war ich ebenso heftig wie du, erregten Sophistereien und erlogene Streitsucht in mir Schmerz und Zorn; die reiferen Jahre machen milder. Auf die eigne Vervollkommnung in Erkenntniss und Sittlichkeit muss jeder echte Mensch bedacht sein, die herrschenden Thorheiten aber nicht beachten. Jeden so behandeln, wie er es verdient, hiesse, sagt M., in einer so verderbten Zeit wie die unserige, geradezu sich ein schlechtes Benehmen zur Gewohnheit machen. Nein, nach der Anleitung der talmudischen Lehrer (Bah. mez. 32 a) seinen Unmuth niederzukämpfen und grossherzig zu handeln, das will er unbeirrt als seine Lebensregel festzuhalten versuchen3). Wer hingegen sich über die Unwissenheit der Menschen ereifern wollte, könnte nie zu zürnen auf hören und müsste ein Leben voll Gram und Kummer führen4). III. Für eine reine Seelenfreude hat die mosaische Lehre durch die Einsetzung ihrer drei Feste gesorgt. Freudige Stimmung und genussreiche Zusammenkünfte, die dem Menschen in der Regel Bedürfniss sind’, werden durch sie möglich. Die wahre Freude wird aber nicht beeinträchtigt, wenn wir in den Zeiten des Glückes früherer Leiden gedenken, um Gott desto dankbarer zu sein. Dazu eben sollen das dürftige Brod und bittere Kraut am Passahfeste, wie das Wohnen in Hütten am Hüttenfeste uns anregen5). B. Auf Menschenwürde und innern Adel bezieht sich eine Reihe von ethischen Begriffen und Sätzen: I. Ueber Reinheit und Heiligkeit (המהרה והקדושה Mor. III, 83) *) Brief an Jos. Ibn Aknin (Briefs. 14b od. Kob. II, Bla). 2) Brief an Jos. Ibn G'abir in Bagdad g. E. (Chemd. genusah, 6 a); s. das. 3) Brief an Ibn Aknin in Kob. II, 29 b. 4) Das. II, 30 b oder Briefs. 14 a Br. 5) Mor. III, 48.

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