Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
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128 scher Art dianoetische Tugenden verbindet und diese im Dienste seiner Schlecbtigkeit missbraucht. 6. Ein böser Mensch (רשע רע) hat solche Laster, die anderen Menschen schädlich sind, z. B. Frechheit, Grausamkeit. 7. Durchtrieben böse (חכם להרע) nennt M. Denjenigen, der zum Schaden Anderer seine dianoötischen Vorzüge im Dienste seiner Bosheit missbraucht1). Zweiter Theil. Die Ethik im Besondern. Bei der Ethik im Besondern steht uns nicht mehr wie bei der allgemeinen Ethik ein Leitfaden von M. selbst zur Verfügung. Wiewohl er den ganzen Abschnitt Deot in seinem Mischneh tordk der Ethik gewidmet hat, so bietet derselbe doch für das Besondere einen ausreichenden Anhalt nicht, da er zugleich zu wenig und zu viel für unsern Zweck enthält. Er giebt zu wenig, inwiefern viele wichtige ethische Lehren entweder ganz oder wesentlichen Seiten nach von anderswoher entlehnt werden müssen, wie sich im Verlaufe unserer Darstellung zeigen wird. Aber auch zu viel für unsern Zweck finden wir in jenem Abschnitte. Alles nämlich, was M. in Bibel und Talmud so vorfand, dass er es unverändert in sein System eben nur einzureihen brauchte, können wir füglich nicht als Ethik des M. anführen. Nur wo er Mittheilungen aus philosophischen Quellen oder eigne Dedanken und Bemerkungen hinzufügle, werden wir von Maimonidischer Ethik sprechen dürfen. Daher kann eine Vollständigkeit des ethischen Stoffes im Folgenden nicht beabsichtigt und der Bahmen, in welchem die specielle Ethik des M. dargelegt werden soll, nur dem vorliegenden Gebrauche angepasst werden — ohne den Anspruch, das ganze Gebiet sittlicher Bewährung in sich zu fassen. Die besonderen ethischen Materien, die in der allgemeinen Ethik gelegentlich angeführt werden mussten, sollen, da nach dem Gesagten hier ohnehin auf Vollständigkeit nicht ausgegangen werden kann, nur dann wieder zur Sprache kommen, wenn Neues hinzuznfügen sein oder die Darstellung es sonst wünschenswerth machen wird. M. hat in seinem ethischen Abschnitte Deot die Ethik im Beson- *) Zu Abot a. a. 0.