Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 120)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2720961--119-2723061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Farabi 1× ep/1026031
OCR text
116 die Phantasiegebilde der volkstümlichen oder irrgläubigen Vorsteilangen von Gott völlig überwunden haben, die den Gottesgedanken nicht mehr der Ueberlieferung allein, sondern der eignen Forschung und Erkenntniss verdanken, für die somit der Gedanke und der Name Gottes einen reichen, ihr Gemüth und ihre gesammte Anschauung erfüllenden Inhalt gewonnen hat. Es giebt zwei Stufen in dieser Hinsicht: 1. Die geringere Stufe besteht darin, denVerkehr mit den Menschen auf das Masz des Nothwendigen zu beschränken und so viel als möglich sich auf sich selbst zurückzuziehen, um so vor Störungen von aussen gesichert, sich ganz der Liebe zu Gott und dem Gedanken an ihn hingeben zu können. Daher die Neigung der Tugendhaften zur Einsamkeit und Abschliessung1). Die Einwirkung Gottes nämlich durch jenes geistige Mittelwesen, das der sublunarischen Welt nach M. vorgesetzt ist2), erhält den menschlichen Geist im Zusammenhänge mit Gott nur so lange und in dem Masze, als die durch Erkenntniss gewonnene Beziehung in Liebe festgehalten wird3); jede Abwendung der Gedanken zu den irdischen Bedürfnissen lockert dieses Band und kann es gänzlich vernichten4). Der äussere Gottesdienst und die Ausübung der göttlichen Gebote sind nur eine Uebung und Vorbereitung zu jenem innern Dienste; durch jene soll der Mensch dazu angeleitet werden, sich von den Sorgen des Lebens abzuwenden und mit Gottes Geboten ausschliessend zu beschäftigen; ג) Vgl. Jes. hat VII, 1. 4; die merkwürdigen Stellen H. Schemitt. XIII, 13 nnd Tum. Ochelin XVI, 12; ferner Mor. II, 36 über die Beschaffenheit und Lebensweise des zur Prophetie geeigneten Menschen und die ob. S. 112, A. 4 bereits genannte, bei aller Differenz doch stark änklingende Stelle bei arist. NE. X, 7 über die beglückende Müsse des theoretischen Lebens, munk, Guide III p. 438 n. 4 verweist auf alfarabi’s Principien (s. die hier folg. AA.) und, wie schon efodi z. St., auf ibn BAGr'A’s Lebensweise des Einsiedlers als Vorbilder des M., wenn dieser auch in sehr geschickter Weise ganz passende Bibelstellen als Beleg anführe (vgl. ob. S. 7, A. 6 u. S. 9, A. 1). Parallelen findet man in ibn gebirol’s T. mid. han. III, 1; bachja’s Hpfl. VIII, 3 S. 370 f.; abr. ibn esra’s Jes. mora VII foL 30 a ed. Stern, Prag 1830. 2) Oben S. 51, A. 4; vgl. Mor. II, 4. 10. 12. 37; Jes. hat II, 7; IV, 6. 3) Vgl. alfarabi, Princip. S. 2. 4) Das. S. 36 über die Rückfälle des Tugendhaften. Vgl. Mor. I, 34, Grund 5.