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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 109

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 109)
Language
German
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IRI
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105 dem es an Erkenntniss gebricht, zwar dem unsittlichen Denker vorzuziehen, aber doch nicht vollkommen sei, weil sein Thun in Ermangelung richtiger Erkenntniss nicht die erwünschte Festigkeit und richtige Art besitze1). Es stimmen die Philosophen, sagt M. an einer andern Stelle2 *), darin überein, dass die durch Gewöhnung zum festen Besitz gewor־ denen Tugenden, zum Studium der Wissenschaft mitgebracht, die Freude und Liebe zu derselben sowie den Eifer zu weiterem Fortschreiten erhöhen, da die wahre Wissenschaft ja eben zu allem Guten, das der Tugendhafte zu üben gewohnt ist, ihn anregt; dass hingegen der Mensch durch böse Eigenschaften seines Charakters von der Wissenschaft, die ihn seiner Gewohnheit widersprechend leiten will, abgelenkt wird, so dass er sie lästig findet und vernachlässigt. — Begierden und Genüsse, Heftigkeit und Zorn, sagt M. anderswo?), machen nothwendiger Weise parteiisch, da diejenige Theorie blindlings bevorzugt wird, die den eignen Neigungen günstig ist. — Hiermit stimmt denn auch die halachische Bestimmung überein, nur würdige Schüler in der Gotteslehre zu unterweisen4). — Eine Geringaehtung der sittlichen Führung darf also nach allem bisher angeführten dem M. nicht zum Vorwurfe gemacht werden5). II. Da nun aber gerade das irdische Leben mit seinen sinnlichen Versuchungen und Bedürfnissen von dem Menschen zu seiner Vervollkommnung und zur Bereicherung seines Geistes genutzt werden muss, weil eine weitere Steigerung im Jenseits nach M. nicht mehr möglich nachgewiesen, dass der Einsichtige immer auch in sittlicher Beziehung vortrefflich sei (a{xa yap <ppov1{1.0s xai CTtouSalo? tö Bsosrzxai wv); auch im Begriffe des Ein־ sichtigen sei Wissen und Handlungsweise zugleich bezeichnet. — Die religiöse Färbung dieses Ausspruches bei M. und die Verwechselung des theoretiseh-prak־ tischen Aristotelischen <ppov1p.os mit dem theoretischen aocpos, den M. hier im Auge hat, ist wohl der Vermittelung der arabischen Peripatetiker zuzuschreiben. *) M. führt als Beleg Äbot II, 5 an. Vgl. ob. S. 53, A. 3 und S. 104 oben. 2) Zu Äbot III, 9. — Unter den hier erwähnten «Philosophen» können abist. (nach NM X, 10) und ibn sina (nach schahb. II, S. 280 H.) verstanden werden. s) Mor. II, 23. 4) H. T. tor. IV, 1 nach b. gamliel in Berach. 28a und nach bab in Chull. 133a, wiewohl an erstgenannter Stelle Widerspruch erhoben wird. 5) Wie s. d. ltjzzatto in Ker. chem. III, 69 gethan hat. Ihm sind übrigens bereits s. L. bappopobt und h. chajes entgegengetreten.

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