Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
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104 Eigenthum und zugleich zu einer sichern Grundlage für die genaue Feststellung des sittlichen Lebenswandels wird1). Doch das sittliche Leben ist nach M. nicht nur in seiner durchaus bewussten Vollendung Blüthe und Frucht der festbegründeten Gotteserkenntniss, sondern früher in seiner mehr auf Natur und Gewöhnung als auf eignen Grundsätzen beruhenden Form eine der Bedingungen, an die alle zu höherer Wahrheit führende Forschung geknüpft ist und deren nähere Angabe uns nunmehr obliegt. B. Bedingungen zur!Erlangung des höchsten Gutes. I. Schon in der oben2) angeführten Stelle der ]Einleitung mim Mischnah-Commentar erklärt M., die Wahrheiten der Vernunft lassen sieh nur erkennen, wenn die sinnlichen Genüsse eingeschränkt werden und die Vernunft die Herrschaft über den Körper erlangt habe3); die Seele gehe durch die Sorge für den Körper, der Körper durch die Sorge für die Seele zu Grunde4). Der Mensch, der sich der Lust hingebe5), sinke zum Thiere herab und verliere das göttliche Vermögen vernünftigen Denkens. Der Mensch müsse, um als Zweck der sublunarischen Welt angesehen werden zu können, zugleich weise und gut, also theoretisch und praktisch vollkommen sein. Dies lehrten die Propheten Israels6) ebenso wie die Philosophen unter den Völkern7). Der berühmte Philosoph sage deshalb: Gott verlange von uns, «erkennend tugendhaft» zu sein, da der Wissende kein wahrhaft Wissender sei, wenn er unsittlich lebe8), und wiederum der Tugendhafte, x) Mor. Eird. und III, 54; vgl. auch ob. S. 53, A. 3. — Ueber jeh. halevi’s ganz abweichende Ansicht s. ob. S. 19 und A. 2. 3 daselbst. 2) S. 96 f. ) אבל עם ציור המועזכלות יתחייב להרחיק רוב התענוגים הגופיים Vgl. Mor. 1, 5. 4) שחרבן הגפש בתיקון הגוף ותיקון הנפש בחרבן הגוף• Diese Uebertreibung gehört zu den neuplatonischen Zögen in der peripatetischen Philosophie der Araber. S. joel, Die Beligionspliilosophie d. Mos. b. Maimon, S. 22 f. und vgl. oben S. 101, A. 1. 5) ומעביד שכלו לתאוותיו nach dem Original bei POCOCKE in ALCHARlsi’s Uebers. zu lesen. — Gleich darauf sind ebendas, die Worte: ופל ים היולי תך,ן ein späterer unpassender Zusatz. 6) Jer. 8, 8 wird als Beispiel später angeführt. 7) Z. B. arist., NE. I, 6; gazzali, Wage Auf., S. 6. 8) NE. VII, 11 sagt arist.: Es könne nicht der Mensch einsichtig (cppovtp.0?) und doch zugleich ohne Selbstbeherrschung (dxpar/jc) sein. A. habe ja bereits