Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 110)
- Language
- German
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106 ist1): so ist es nothwendig, das Leben so einzurichten, dass das höchste Gut auch sicher erreicht werde. Dazu giebt nun M. wiederum in der Einleitung zu Abot2) die erforderlichen Weisungen. Es giebt Einen Zweck, beginnt er, auf den alle Thätigkeit des Menschen und alle seine Lebensgenüsse gerichtet sein müssen; es ist die Erkenntniss Gottes3). Nur der wissenschaftlich gebildete, mit den Tugenden der Sittlichkeit und des Erkenntnissgebietes ausgestattete Mensch kann Gott wahrhaft erkennen. Jene also zu erwerben, ist Aufgabe und Zweck des menschlichen Lebens und kann nur gelingen, wenn aller Lebensgenuss die Gesundheit und Tüchtigkeit des Körpers zum Dienste für den Geist, aller Erwerb die Mittel zum Unterhalt für den Einzelnen und seine Angehörigen, der eheliche Verkehr die Gesundheit des Körpers und die Erhaltung des Geschlechts — wiederum zu edlen Aufgaben und also indirect zur Ehre Gottes im Auge hat und behält4). Näher gehören zur Lösung dieser Aufgabe zwei Bedingungen, deren zweite die erste, als die geringere, voraussetzt. 1. Lust und Unlust dürfen hinsichtlich der Erhaltungsmittel des Körpers nicht maszgebend sein. Nicht das Angenehme, sondern das Nützliche soll die Wahl bestimmen. Nur in Einem Falle darf das Angenehme gewählt werden, wenn es nämlich einem Heilmittel gleich wirken soll, wenn es z. B. als Reizmittel bei geschwächtem Appetit erforderlich ist; als Heilmittel können aber auch andere Genüsse angesehen und angewendet werden, wie Gesang, Musik, Lustwandeln in Gärten, schöne Bauten, schöne Bilder, wenn Jemand zur Melancholie neigt und der Aufheiterung bedarf. — Ebenso soll der Erwerb nicht der Besitzeslust dienen, sondern dem Nutzen, den das Eigenthum gewährt für die Beschaffung werthvoller Mittel zur ף Zu Abot IV, 17. 2) Der fünfte Abschnitt, an den das Folgende im Wesentlichen sich anschliesst, hat die Ueberschrift: «Ueber die Richtung der Seelenvermögen auf ein einziges Ziel». Ueber BACHJA’s vermuthlichen Einfluss s. ob. S. 15. A. 2. ' 3) In demselben Sinne sagte schon ibn dato {Em. mm. III, S. 98): Zweck der praktischen Philosophie ist die Glückseligkeit. Vgl. auch ob. S. 22. 4) Vgl. Euä. JEJth. VIII, 8 (VII, 15): 7j׳c1s ouv al'peatc 7.at xttjcis x. t. X. in bemerkenswerther Abweichung von abist., NE. X, 7.