Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
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- Job 1× ep/1005326
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103 V. Diese hier als höchstes Gut bezeichnete Gotteserkenntniss ist jedoch nach M. nicht zu verwechseln mit dem unvermittelten, lediglich aus den Religionsquellen geschöpften Gottesglauben. Die bei der Menge vorhandene Ueberlieferung von aussen ergreife nicht den ganzen Menschen, beherrsche nicht seine ganze Lebensanschauung und schütze ihn nicht vor der Verwechselung scheinbarer Güter mit wirklichen 1). Zwar ist dieser auf die Autorität der Offenbarung zurückgehende Glaube wegen der Mehrzahl der Menschen unentbehrlich, da dieselben zu einem positiven und festen Ergebnisse metaphysischer Speculation selbst im Falle der Befähigung und Bemühung, mit Ausnähme Weniger, nicht gelangen würden, bevor der Tod sie ereilt2). Darum ist für Jeden aus dem Volke ein Schatz von Wahrheiten in den Offenbarungsschriften niedergelegt und durch verschiedene, die religiöse Handlungsweise regelnde Gesetze für deren Erhaltung gesorgt worden3). Allein diese das geistige Wohl Israels bezweckenden Lehren — wie von Gottes Dasein, Einheit, Allwissenheit, Allmacht, Willen, Ewigkeit — werden nur als Resultate mitgetheilt, während eine genaue und deutliche Erkenntniss dieser Begriffe nur auf dem Wege Wissenschaftlicher Forschung erreichbar ist. Und diese Forschung wird im Gesetze gefordert; denn sie ist mit einbegriffen in dem wiederholentlich (5. Mos. 11, 13. 22; 19, 9; 30, 6. 16. 20) und nachdrücklich (Das. 6, 5) ausgesprochenen Gebote der Liebe zu Gott, welche ja auf Erkenntniss des Weltganzen beruhen muss4). Jedenfalls ist, der bildlichen Ausdrucksweise der h. Schrift gegenüber, ein Minimum der Aufklärung über die Geistigkeit, Unvergleichlichkeit und Unerregbarkeit Gottes, selbst der unreifen Jugend und der ungebildeten Menge nicht zu erlassen5). Die wahre Glückseligkeit aber besteht in der Gotteserkenntniss, die auf dem Wege selbständigen Denkens gewonnen worden ist6), so dass das Anfangs nur äusserlich Ueberlieferte auf dem Wege des Beweises zum geistigen ג) Mor. III, 23. Geistreich wird das. die Stelle Ijob 42, 5. 6 in diesem Sinne gedeutet. 2) Mor. I, 34, Grund 3. Vgl. Jes. hat IV, 13. Dasselbe sagt schon saadia in Em., Eint S. 12 ed. Berlin: 'ועל הדרך הזל, ו^ך und ähnlich bachja Hpfl. III, 1 S. 134. 3) Mor. II, 31; III, 29. 35 über die zweite Klasse der Gesetze. 4) S. oben S. 21, A. 6. 5) Mor. I, 35. 6) Das. III, 23.