Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 106)
- Language
- German
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102 hebt den Menschen zur höchsten Stufe, verbleibt ihm selbst und verschafft ihm ewige Fortdauer. Das besagen denn auch, schliesst M. diese Auseinandersetzung, die Worte des Propheten (Jer. 9, 23), wenn er weder die praktische Lebensweisheit (die sittlichen Tugenden) noch die Körperstärke, noch den Eeichthum (äussern Besitz), sondern nur die Gotteserkenntniss rühmenswerth am Menschen nennt, und zwar diejenige, welche zugleich Gottes Gnade, Gerechtigkeit und Billigkeit in dem Walten seiner Vorsehung erfasst, hierdurch das Streben nach Gottähnlichkeitx) erweckt und so den Menschen erst zu wahrer sittlicher Vollendung führt2). durch denkende Betrachtung (חכמח) das Beben zu begreifen (Kok. 1, 18—18). Freilich erscheint ihm auch die praktische Lebensweisheit, wie sehr sie auch die Thorheit überrage, als eitel und nichtig hinsichtlich der von ihr erwarteten Glückseligkeit (2, 12—16); aber nach allem Klügeln, nach der Yerwerfung der verschiedenen Richtungen, die das Streben nach Glückseligkeit unter den Menschen im Laufe der Zeit eingeschlagen, schliesst das Buch (12, 13 ff.) mit der bekannten Mahnung zu praktischer Bewährung der Gottesfurcht als der eigentlichen Aufgabe des Menschen. Auch in manchen älteren nachbiblischen Schriften der jüdischen Literatur wird von der metaphysischen Speculation eigentlich abgemahnt; so in der im Talmud (Chagigah 13a) citirten Stelle Sirach III, 21—22: 'במופלא ממך אל תדרש ן^ן• — In der Misckn. Chagigah II, 1; 'אין דורשין בעריות בשלשה ו^ן sowie in der JBoraita Chag. 14 b: '^ארבעה נכנסו לפרדס ן wird die Speculation nur wenigen Auserwählten zugestanden. Wie sich M. durch seine Deutung mit diesen talmudischen Stellen auseinandergesetzt hat, zeigen sein Commentar zu Chag. II, 1 und Mor. 1, 32 (Etwas anders legt sich die Stellen zurecht saadia in Em., Einl. S. 11 ed. Berlin, unpaginirt). — Selbst die r. akiba (Kidd. 40 b) folgende Regel des M.: התלמוד קודם למעשה (LT. T. Tor. I, 3; III, 3) kann für den Vorzug der &£<1>p(a vor der 7׳rpa£1c nicht angeführt werden, weil sie nicht von metaphysischer Speculation, sondern von der Kenntniss der jüdischen Religionsquellen handelt, welche allerdings die erwünschte Praxis erst lehrt und möglich macht, — was auch aus der Begründung das.: שהתלמוד מביא לידי מעשה ואין המעשה מביא לידי תלמוד deutlich hervorgeht. Diese Unterscheidung zwischen dem Wissen religiös überlieferten Stoffes und der durch Forschen und Denken ermittelten Wissenschaft oder Philosophie lehrt M. selbst öfters (z. B. Jes. hat. IV, 13; Mor. III, 28 und an den S. 103, A. 1. 2. 6 angeführten Stellen), wiewohl M. selbst jene Regel des r. akiba an der (oben S. 96,1) besprochenen Stelle seiner Einl. zum Mischn.-Comm. auf jede Art von Wissen anwenden zu wollen scheint. — Uebrigens muss M. in Bah. Team. 17 a der Lesart der Scheeltot zu לך לך gefolgt sein (s. Tosaf. והאמר מר zu -P• kam. das). *) Oben S. 82 und A. 3 daselbst. 2) Ygl. die schöne Stelle in H. Tefillin VI, 13! Es ist dort eine im Sinne des M. gegebene Umdeutung und Umschreibung von Menach. 33b: ...אמר רבא רבנן אמרו ר' חנינא מסורא אמר