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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 105

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 105)
Language
German
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löi Thieren immer noch in höherem Grade gefunden und schafft nicht einmal einen erheblichen materiellen Nutzen. 3. Ethische Vollkommenheit, schon mehr zum Wesen des Menschen gehörig. Die meisten biblischen Gesetze sind der Erzielung derselben gewidmet. Aber auch sie ist nicht Zweck, sondern soll nur zur Vorbereitung für eine höhere Vollkommenheit dienen. Alles Ethische ist nur in der Gesellschaft möglich, gereicht also nur Anderen zum Nutzen und setzt den Einzelnen zum Mittel herab. 4. Die geistige Vollkommenheit ist allein die wahrhaft menschliche. Sie besteht im Besitze der dianoetischen Tugenden, d. h. im Begreifen der Gegenstände der Vernunfterkenntniss, durch welche uns die Wahrheiten der Metaphysik vermittelt werden. Diese Vollkommenheit ist der Endzweck des menschlichen Lebens *); sie er- *) Ebenso Mor. I, 84, Grund 4; 89 Schl.; III, 12. 27. — Hierin weicht M. von arist. ab, der die theoretische Thätigkeit zwar ebenfalls der praktischen vorzieht (S. 100, A. 6), darum aber doch das ganze Gebiet des ~pggctqv dqafrdv zur Glückseligkeit rechnet und so die ethischen Tugenden nicht ganz als Mittel und Vorstufen für die dianoetischen betrachtet (JSfJE. X, ■7. 8; vgl. I, 11. 18). M. folgt hier alfarabi (Princip. S. 5. 18. 42 f.), ibh sina (s. schahrast. II, 278 Haarbr.) und gazzali (M. Zed. S. 45. 47. 110). — Ueber den neuplatonischen Charakter dieser die 7rpa£1s herabdrückenden Lehre s. joel, Eeligimsphilösophie des E. Mose b. Maimon, S. 22 f. Biblisch kann man diese Ansicht nicht nennen. Was IH, 82 g. E. als Beweis aus der Bibel angeführt wird, ist nicht stichhaltig, weil die dort angeführten Stellen, die Opfer betreffend, anders zu verstehen sind; s. m. SACHS in Ker. ehern. VII, S. 186 ff. Nicht einmal der schon von arist. gelehrte Vorzug der theoretischen Weisheit vor der praktischen lässt sich aus der Bibel nachweisen. Auf alle vorangehenden Fragen nach der Weisheit erfolgt die Antwort Jj. 28, 28 : Für den Menschen gebe es nur Eine erreichbare Weisheit, und das sei die praktische. Ebenso erklärt agur (Spr. 80, 2—6), in den üblichen Fragen über den Ursprung der Dinge nicht Bescheid zu wissen und dergleichen einem Jeden als vermessene menschliche Zuthat zu der durch Offenbarung erlangten geläuterten Erkenntniss widerrathen zu müssen. Diese theoretischeWeisheit also verwirft er, giebt aber selbst Lehren praktischer Weisheit (V. 7 ff.). — So ist auch Sp7\i Cap. 8 die praktischeWeisheit, die mahnend an die Menschen sich wendet (V. 1—21), mit der theoretischen Weisheit, die Gottes Eigenthum ist und sich in der geschaffenen Welt kundgiebt (V. 22—30), im Kreise der Menschen aber sich höchstens zur Bereitung eines geistigen Genusses herbeilässt (V. 31), zusammengestellt und zum Schlüsse die Aufforderung zur Sittlichkeit (מוסר) ausgesprochen (V. 32—36). — Das Buch Köhelet ist schon vermöge der in ihm herrschenden Skepsis der theoretischen Forschung mit der Er- Wartung eines Erfolges abhold. Vergebens ist nach demselben alle Mühe,

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