Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2720961--102-2723044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
99 erkenntniss ist das höchste Gut und der letzte Zweck (הטובה והתכלית האחרון) des menschlichen Daseins. Sie sichert das ewige Lehen, da — wie die bedeutendsten Philosophen lehren *) — die Seele mit Gott, dem erhabensten Gegenstände ihrer Erkenntniss, eins geworden und demzufolge unvergänglich ist wie Gott selbst 2). Von dieser Seligkeit reden einstimmig die Bibel 3) und die talmudischen Lehrer 4). Dem höchsten Gute, das hiernach zugleich ewiges Leben bedeutet, steht als höchstes Uebel der Untergang der Seele (כרת) gegenüber. Demselben fällt anheim, wer Körperlust vorgezogen, Wahrheit verschmäht und Trug geliebt hat5). Wenn dennoch ein äusserer Lohn für ein gottesfürchtiges Leben in der h. Schrift verheissen wird, so soll damit nicht der berechtigte Zweck der menschlichen Bestrebungen in Aussicht gestellt werden; Gesundheit, Unterhalt, Friede sind nur die unerlässlichen Bedingungen zu einem tadellosen sittlich-religiösen Leben. Ebenso werden Krankheit, Hunger, Krieg und Bedrängniss zwar als Strafen angedroht, aber nicht allein um ihrer selbst willen, sondern besonders als Hindernisse frommen Lebens. Wer aus Liebe einem Theil der Gebote nachgekommen, sieht für die Folge sich auf demselben Wege gefördert und die Hindernisse beseitigt; wer hingegen verächtlich Gottes Geheisse zu versäumen begonnen, findet dann in deren Erfüllung allenthalben Schwierigkeiten 6). III. Während das so nachgewiesene höchste Gut, die Gotteser- Geist (vouc) ist das Vortrefflichste in uns und die Gegenstände seiner Erkenntniss das Vortrefflichste alles Erkennbaren (was er kurz vorher das Edle und Göttliche genannt hat). *) S. ob. S. 51, A. 4; S. 57, A. 1. 2) Dasselbe bezeichnet M. in gleicher Weise als eine Wirkung der Offenbarungslehre in seiner Erklärung zur Mischnah Sanh. X, 1: ולפיכך זה החכם המוחזק בידיעת האמת וגו'• Vgl. ob. s. 38, a. 2. 3) Ps. 31, 20; 1 Sam. 25, 29. 4) 'העה״ב אין בו לא אכילה וגו: Berach. 17a; 'למק ייטב לך לעולם שכולו טוב ען Kidd. 39b; 'כל הנביאים כולן לא נתנבאו ו^י: Berach. 34b. In der Erläuterung der erstgenannten Stelle muss es in der hebr. Uebersetzung der Talmud- Ausgaben heissen:והיות הוא ר״ל המושכל והיא דבר אחר später:כמו שהתבאר בפילוסופיא הראשונה wie auch -V. hat. 5) Vgl. Zu Ukkazin III, 12. 6) Vgl. H. Melach. XII, 4. 5 und oben S. 71, b. 7*