Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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98 II. Erschien hier die Gotteserkenntniss, das höchste Gut nach M., als oberster Zweck des Menschenlebens und hiermit zugleich der ganzen sublunarischen Welt, so wird derselbe Begriff in einer andern Einleitmig des MiscJmah-Commentar’s v) nach einem andern Gesichtspunkte abgeleitet. Es giebt eine geistige und eine sinnliche Lust. Auch die Engel und Sphären empfinden Lust, aber eben nur eine rein geistige 1 2). Der irdische Mensch kann dieselbe nicht anders als durch weitgehende Forschungen erfahren und begreifen; er ist sich gemeiniglich nur der sinnlichen Lust bewusst; wie ja auch umgekehrt die sinnliche Lust für rein geistige Wesen und für den vom irdischen Dasein abgelösten Menschengeist unerfasslich sein muss 3). Unendlich höher als die sinnliche steht die geistige Lust 4). Das zeige schon das irdische Leben. Worauf seien die grössten Anstrengungen der Menschen gerichtet? — Nicht sowohl auf Speise und Trank als vielmehr auf Ehre, Ansehen, Bache an Feinden. Die stärkste Sinnenlust wird verschmäht, um Schande zu verhüten oder einen guten Ruf zu gewinnen 5). Vollends in einer übersinnlichen Welt gilt nur die geistige Lust und sie ist vollendet, unbegreiflich, unbeschreiblich 6). Sie besteht in der Erkenntniss Gottes 7). Und diese jenseitige Gottes- 1J EM. zu Sank. X. — Dasselbe in anderer Fassung in H. Tesch. VIII, 1—7. 2) Vgl. Mor. II, 4—6. 10. — Die in unserer Hauptstelle {EM. zu Sank. X) hierbei genannten Philosophen sind wohl alfarabi (Princip. S. 8׳ f.), ibn sina (bei SCHAHRAST.-HAARBR. II, 269) und GAZZALI an einer mir nicht mehr genau erinnerliehen Stelle. 3) arist. sagt NE. X, 5 von Menschen und Thieren: Die Genüsse der der Art nach verschiedenen Wesen sind selbst der Art nach verschieden. 4) arist. NE. X, 5: Die Genüsse, die das Denkvermögen dem Menschen bereitet (al rapl tt|v öiavoiav), unterscheiden sich durch ihre Reinheit von den durch die Sinne dargebotenen, wie die der höheren Sinne von denen der niedern. Vgl. das. Schl, über die eigentlichen Menschengenüsse, die eigentliche Menschenlust; X, 7 über «die vollendete Glückseligkeit»; X, 8: ioct' e״Y] av ׳?] e6Ba1p.ovta ftstopCa tic; Pol. VII, 14. 15; VIII, 8; alfarabi, Princip. S. 5 u. 18. 5) S. ob. S. 60, A. 4 die Parallele aus gazzali. 6) Vgl. themistius und ibn sina im Namen des Aristoteles bei scharast. II, S. 180 (wogegen sch. jedoch S. 181 gerechte Zweifel äussert; läugnet doch arist. in der That die Unsterblichkeit in NE. I, 11 und III, 9) und S. 208 Haarbr.; ferner die lauteren Brüder bei dieterici, Anthropol. d. Arab.} S. 157; — gazzali, ־Wage, Anf., S. 6. 7) arist. NE. X, 7 ist in sofern hier anzuführen, als es dort heisst: Der