Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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97 einen Zweck1). Durchweg erkennbar sei derselbe allerdings nur bei Menschenwerken; bei den Schöpfungen Gottes oder Naturerzeugnissen nur zum Theil2), während ein Rest für den kurzsichtigen Menschen unergründlich bleibe 3). Oberster Zweck aller geschaffenen Wesen m der Welt unter dem Monde — aber nur in dieser4) — sei der Menseh5). Ihm zum Nutzen, zur Nahrung, zum Gebrauche seien dieselben hervorgebracht worden, da ja selbst die Giftpflanzen äusserlich zur Heilung sich anwenden lassen. Kennen wir daher auch den Nutzen manches Geschöpfes für den Menschen nicht, so sei derselbe nur uns verborgen und werde durch die fortschreitende Erfahrung und Beobachtung, wie vielfach schon geschehen, noch ermittelt werden. Die Frage nach dem Zweck der Welt unter dem Monde sei also gleichbedeutend mit der andern : Wozu ist der Mensch, der oberste Zweck der niedern Welt, vorhanden? — Hierauf sei eben von jenen Denkern alter Zeit erklärt worden: Das Dasein des Menschen könne nicht diejenigen Thätigkeiten zum Zwecke haben, die dem Menschen mit anderen Geschöpfen gemeinschaftlich sind, sondern nur die allein, welche ihn eben zum Menschen macht und von all seinen Mitgeschöpfen vorteilhaft unterscheidet6). Diese Thätigkeit sei das Denken, das ihn zur Vernunfterkenntniss, zurErkenntniss derWahrheit führe 7). Die höchste Erkenntniss aber, um derentwillen alle andere erstrebt wird, ist die Erkenntniss Gottes in seiner Einheit8). des Menschen vorhanden zu sein scheinen; endlich die Angabe über die Be- Stimmung des Menschen, worin die Stoiker ihren eignen Weg fortsetzten, auf dem die Bekenner offenbarter Religionen ihnen nicht folgen konnten. — Vgl. oben S. 5, A. 8; S. 6, A. 1. ף Hiefür konnte auch abistoteles angeführt werden, z. B. nach De coelo I, 4. Vgl. Mül higg., IX. 8) Mor. III, 25 sagt M. ferner: Gottes Wille hat Alles, was seiner Weisheit zufolge möglich war, hervorgebracht; aber seine Weisheit ist uns unergründlich... Seien doch die Menschen unter einander nicht einmal gleicher Meinung über die Nothwendigkeit oder den Nutzen mancher Thätigkeit, wie Schreiben, körperliche Uebungen und dgl. 4) S. ob. S. 21, A. 4. 5) Vgl. auch oben S. 17. 6) Hierzu vgl. auch abist. NM I, 6. :7) abist. NE. X, 7. 8) Vgl. ob. S. 22 und A. 8 das. 7