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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 99

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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95 Diese Unterscheidung , deren ausgleichende Anwendung M. sehr erfreut, bedarf noch einer Ergänzung aus dessen späteren Schriften. M. behauptet an verschiedenen Stellen, nach dem Vorgänge anderer jüdischer Forscher1), dass die positiven Gesetze des Pentateuch nicht willkürliche Geheisse Gottes sind, sondern ihren guten Grund haben, dessen Ermittelung eben eine Aufgabe für unser Nachdenken sei2). Empfänglichen Gemüthern werden also auch diese Satzungen durch jahrelange Uebung und durch die Erfahrung ihrer heilsamen Wirkung so theuer und so sehr zum Bedürfnisse, dass sich denselben mit der Zeit eine innere Freudigkeit und Zustimmung ebenso zuwendet wie jemals den sittlichen Geboten3). Doch nicht Alle gelangen zu solcher Vertiefung; der grossen Menge bleiben die «Satzungen» unerklärlich4). Auch giebt es, sagt M., Einzelheiten, für die in der That ein Grund weder zu suchen noch zu finden ist, weil sie nur die Ausführung allgemeiner Satzungen betreffen, die ebenso gut anders, aber doch jedenfalls auf irgend eine Art erfolgen muss, wo also nothwendiger Weise eine willkürliche Bestimmung durch das Gesetz zu treffen war5). Es bleibt also im Bereiche der positiven Vorschriften der Religion immerhin Raum genug für die einfache Unterwerfung des Willens ohne die zustimmende Entscheidung der eignen Neigung, also für die Bethätigung einer edlen Selbstbeherrschung. — Schliesslich wird man unterschieden in Sank. 57 b, vgl. 56 b. Darum wird auch Joma 67 b גילוי עריות zu den Geboten gezählt, die auch «ungeschrieben gelten müssten» und bei saadia a. a. 0. als erstes Beispiel der «Vernunftgesetze» genannt. Ebenso macht abr. ibn esra in Jesod morci, V einen solchen Unterschied innerhalb Dessen, was gemeinschaffclich עריות genannt wird. — Hierdurch erledigt sich die von abraham HUR- WITZ im Commentar Ghesed Abraham zu Perak. VI erhobene Schwierigkeit. ג) Ueber saadia s. S. 17, A. 3; bachja rechnet {Hpfl., Eint S. 16) die Ermittelung der Gründe für die positiven Gesetze (עילות מצות השמע) zu üen dem Geiste obliegenden, wiewohl nicht Jedem erfüllbaren Aufgaben; — über ibn ZADDIK S. S. 17, A. 5; üb. ABR. IBN ESRA S. 21, A. 5. 2) Buch d. Ges., Verb. 365; H. Meit VIII, 8; H. Tem. IV, 13; Mor. 111,26; Sendschr. an Chasdai hdlevi (Briefs. 4b Br. od. Kdbez II, 23 b). Vgl. auch ob. S. 89. 3) H. Luldb VIII, 15 und vidal de tolosa im Magg. mischn. das. — Das stimmt dann auch mit bachja's Forderung (Hpfl, IX, 5 S. 413) überein, dass die Befolgung der positiven Satzungen dem Israeliten zur zweiten Natur werde. 4) Mor. III, 26: Diejenigen Gebote, deren Nutzen der grossen Menge nicht klar ist, heissen «Satzungen.» 5) S. S. 21, A. 7.

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