Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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91 haften Mitte jenes oben angegebene Heilverfahren durch Entgegen» gesetztes rechtzeitig einzuleiten, bevor die Gebrechen sich so festsetzen, dass die eingreifendsten Mittel nöthig werden, wie man ja auch bei körperlichen Leiden lieber früher Mittel anwendet und diese dafür auch milder sein können. Von dieser Pflicht beständiger Rechenschaft vor sich selbst ist Niemand auszunehmen, da kein Mensch von Fehlern frei ist* 1h Die Philosophen2) haben es bereits ausgesprochen, es sei schwer, Jemand zu finden, der zu allen Tugenden, den dianoetischen wie ethischen, von Natur befähigt wäre3). In den biblischen Büchern aber giebt es darauf zielende Aeusserungen in grosser Menge4). Hat ja selbst der unerreichte Mos eh einst die Tugend der Sanftmiith versäumt und ist dem Fehler des Jähzornes einen Augenblick anheimgefallen, — weshalb er denn auch von Gott getadelt und gestraft worden ist5).- M. schliesst mit dem Ergebniss, die Selbstprüfung zur Einhaltung des Mittelweges erhebe den Menschen zur höchsten sittlichen Stufe und bringe ihn Gott näher; auch die talmudischen Lehrer hätten diese Prüfung des Maszes in Handlungen und Seelenzuständen ausdrücklieh gefordert 6). 5. Im Zusammenhänge mit dieser Forderung wiederholter Selbstprüfung steht es, wenn M. an einer andern Stelle bei den religiösen Vorschriften über die Bekehrung (תשובה) von den drei Erfordernissen derselben: Bekenntniss vor Gott, Reue und Vorsatz der Besserung das erstgenannte an die Spitze des ganzen Ahvermuthlich durch den achten Abschnitt über die «Rechenschaft mit der eignen Seele» in den Herzenspflichten bachja’s. 1) Aehnlich Mor. III, 36. 2) Vgl. zu Äbot V, 14. Wie man daselbst sehen kann, ist die Stelle bei arist., NJE. VII, 1 über den ikto? dvfjp gemeint, saadia (Emun. V, 3) bei der Definition des «Vollkommnen» (לם$) polemisirt gegen die von daher stammende Behauptung der «Leute.» 3) מזומן מוכן bei Tibbon ist eine Doppelübersetzung zur Auswahl. 4) Ijob 4, 18; 25, 4; Kdh. 7, 20. 6) So deutet M. ausführlich die dunkle Erzählung 4. Mos. 20, 2—13. — Gegen diese Deutung erklärt sich nachmanides zu 4. Mos. 20, 1; die wörtliche Anführung der Tibbon’schen Uebersetzung daselbst kann zur Verbesserung unseres Tibbon-Textes benutzt werden, bedarf aber ebenso der Berichtigung durch diesen. 6) M. führt dafür eine Stelle aus Sota 5 b in Bezug auf Ps. 50, 23 an.