Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 93)
- Language
- German
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89 unjüdischen Einsiedler- und Mönchslebens1), von denen hier allein die Rede ist2), nicht zu ihrer Rechtfertigung sagen, ihre mit Anstrengungen und Entsagungen aller Art verbundene Lebenseinrichtung sollte nur zur Uebung ihrer Seelenkräfte dienen, um denselben diejenige Neigung von der rechten Mitte zu dem bessern Extrem indirect beizubringen, welche jene Tugendhaften, wie oben bemerkt worden, in ihrer Handlungsweise und Gesinnung thatsächlich bekundeten. Denn, sagt M., eine solche das ganze Leben beengende Askese würde noch über das Masz dessen hinausführen, was unsere Lehre in ihren, alle Verhältnisse des Lebens regelnden Gesetzen bereits ihrerseits hat erzielen wollen. Sei es doch gewiss, dass jene Gesetze der Torah, die uns Entbehrungen oder Beschränkungen auferlegen, uns nur dazu eine Anleitung geben sollen, wie wir uns dem der tugendhaften Mitte am meisten widerstreitenden Extrem beharrlich fernhalten. So seien die Speiseverböte, die Ehehindernisse, die Einschränkungen selbst des gesetzmässigen Geschlechtsverkehrs nur3) dazu bestimmt, uns weiter ab von dem Extrem der Genusssucht und ein Wenig näher zur Seite der Unempfänglichkeit zu führen, um so zu dem eigentlich erwünschten Ergebniss zu gelangen, dass in unserer Seele der Hang zur Mässigkeit sich befestige4). Ebenso seien die mosaischen Gesetze hinsichtlich der Gaben an Arme und Leviten, mit Einschluss des Gesetzes über Sabbat- und Jobeljahr, dazu hinreichend, uns dem Extrem der Schäbigkeit zu entziehen und dem immerhin bessern eines übertriebenen Aufwandes so weit anzunähern, als zur Sicherstellung eines edlen Aufwand es gehört5). Die meisten biblischen Gebote, unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, zeigen ebenso die Absicht, eine erziehende Wirkung auf die Seelenkräfte zu üben. So seien manche Vorschriften ף Vgl. Beot ui, 1: כגון כהני עכו״ם• 2) M. will eben nur seine Glaubensgenossen belehren; eine Kritik des Christliehen und muslimischen Einsiedlerlebens und Mönchswesens liegt ihm hier fern. 3) Das hier wiederholentlich gebrauchte «nur» ist nicht genau zu nehmen, wie in diesem Falle Mor. III, 48. 49 und in manchen nachfolgenden die Parallelstellen theilweise zeigen; s. die folg. Anmerkungen. ף Vgl. Mor. III, 35. 5) Vgl. Mor. III, 89. — lieber die hier von tibbon angewendeten hebr. Ausdrücke s. S. 81, A. 1.