Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
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87 den Hochmuth gänzlich, will gemäss-der im Talmud am weitesten gehenden Meinung keine Spur desselben gutheissen, sondern verlangt die äussersteDemuth1), aber ein der Selbstveraehtung gleichkommender Cynismus2) scheint von M. auch auf diesem Standpunkte nur als vorübergehendes Besserungsmittel für den Hoehmüthigen empfohlen zu werden. Ebenso ist die äusserste Sanftmuth, die durch die bedeutendsten Anlässe zum Zorn sich nicht hinreissen lässt und auch den heilsamen schärfsten Tadel mit innerer Ruhe und nur äusserlich angenommener Aufregung ausspricht3 *), wohl noch nicht gleichzuachten der getadelten unerschütterlichen Fühllosigkeit, die M., wie gesagt, als fehlerhaftes Extrem nennte) oder als vorübergehendes Besserungsmittel für den Jähzornigen empfiehlt 5). — ß) Die «Tugendhaften» und auch einzelne Gesetzeslehrer des Talmud haben ferner, sagt M. wiederum in der Einleitung zu Abot, zur Heilung ihrer eignen sittlichen Schäden oder zur Isolirung von dem Einflüsse einer herrschenden Sittenverderbniss zeitweilig sich im Gebiete des Genusses dem Extrem der Entsagung zugewendet, indem sie Fasten, Nachtwachen, Enthaltung von Fleisch und Wein sowie von ף Zu Abot. IV, 4 u. Deot II, 8 nach r. hachman b. isaax in Sota 5 a. ר Deot n> 2: ינהיג עצמו בבזיון הרבה וישב למטה מן חבל וילבש בלויי סחבות המבזות את לובשיהן• 8) Deot II, 3. ף S. 86, A. 6. 5) Deot II, 2. — abraham de botox in Lechem mischneh zu Deot I, 4 f. macht verschiedene Versuche, den anscheinenden Widerspruch in M.’s Entscheidungen zu lösen; seine Unterscheidung zwischen בינוניות un(i ממוצעות ist völlig unhalthar. — Es hleibt übrigens auch nach unserer Annahme Manches in M.’s Dar- Stellung noch immer befremdend. Er mag in Deot I, 4 trotz II, 3 den Zorn als Beispiel des Mittelmaszes gerade deshalb gewählt haben, um die genannte Differenz zwischen philosophischer und jüdisch-religiöser Ethik dadurch um so deutlicher hervortreten zu lassen, da er deren ausdrückliche Angabe in diesem auch für Nichtphilosophen geschriebenen Werke am wenigsten zweckmassig fand. Aber warum wählt M. in Deot I, 5 Hochmuth und Demuth mit einer bis zum Extrem vordringenden Abweichung — übereinstimmend mit II, 3! — als Beispiel für die tugendhafte Weise, die er *so eben für eine geringe Abweichung von der Mitte erklärt hat? — Wäre es ferner in Deot II, 2 nicht angemessener gewesen, die Beispiele des vorübergehenden Heilverfahrens und des alsdann festzuhaltenden Mittelmaszes an anderen Eigenschaften als gerade am Zorne und am Hochmuthe nachzuweisen, die ja unmittelbar darauf (in II, 3) von der Regel des Mittelmaszes, zufolge der jüdischen Ueberlieferung, ausgenommen werden,? —