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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 90

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 90)
Language
German
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…/2720904-2720961--089-2723031
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86 halten verwandter ist. So neigten sie e i n W e n i g von der Massigkeit zur Stumpfheit., von der Tapferkeit zur Verwegenheit, von dem edlen zum übertriebenen Aufwande, von der Bescheidenheit zur Demuth und ebenso in anderen Gebieten menschlichen Wollens und Handelns 1). — Hiermit sind wir aber bei einem Punkte angelangt, wo M. als Erklärer der Mischnah 2) und später als Gesetzeslehrer bei der Abfassung seines Mischneh torah sich in Rücksicht auf seine jüdischen Quellen zu einer Durchbrechung der Aristotelischen Tugendregel in einzelnen Fällen hat entschliessen müssen. Zwar wird an einer Stelle des letztgenannten Werkes 3) noch der Tugendhafte (חסיד) und dessen Handlungsweise (מדת חסידות) dem Weisen (חכם) und dessen Verfahren (מדת חכמה) gegenübergestellt und jene ethische Eigentümlichkeit des jüdischen Lebens, wie in unserem Abschnitte der Einleitung m Abot, als eine berechtigte, aber nicht nothwendige geringe Abweichung von der Aristotelischen — und nach M. auch biblisch ־ talmudischen 4) — Regel des Mittelmaszes bezeichnet. Und M. fügt hierbei noch ausdrücklich hinzu, unsere eigentliehe Pflicht bestehe in dem Einhalten jener Mitte zwischen den Extremen. Allein in zwei Fällen kann er nicht umhin, die möglichst weite Abweichung nach dem bessern der zwei Extreme geradezu zu fordern und das Verharren in der Mitte als unstatthaft zu verwerfen. Es sind dies die Gebiete des Selbstgefühls und des Zornes5). Ausdrückliche talmudische Aussprüche nöthigen M., hier eine Ausnahme in doppelter Hinsicht zuzulassen: dass die Abweichung nach der bessern Seite bis nahe ans Extrem gehe und diese zugleich als unerlässliche Pflicht gelte. Nur ein solches Streifen ans Extrem scheint von M. in diesen zwei Fällen gefordert zu werden, nicht das Extrem selbst, das er ja in einem dieser Fälle unbedingt tadelt6). Es ist wahr, M. verwirft x) Ebenso Deot I, 5 und zu Abot V, 7. Man vgl., was Arist. NE. II, 9 von dem die sittliche Mitte erst Suchenden und IV, 18 vom Wahrheitsliebenden sagt. 2) Zu Abot IV, 4. s) Deot I, 5. 4) Das. I, 4 vgl. mit Perak. IY Schl. (S. 91, A. 6); oben S. 25, A. 2; S. 27, A. 1. 5) Das. II, 3; zu Abot IV, 4. Das Umgekehrte bei arist. s. oben S. 25, A. 3. 6) Deot I, 4: י ולא כמת שאינו מרגיש die doppqda des arist., NE. II, 7; vgl. das. III, 11.

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