Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2720961--078-2723020- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Farabi 2× ep/1026031
OCR text
75 schaft, Gewusstes1) und Wissender zugleich2 *); er zugleich der Lebende, das Lehen und der sich das Leben Gebende, und so auch hei den anderen Attributen. Die unläugbare Schwierigkeit dieser Vorstellung für den mit der Metaphysik unbekannten Leser, sagt M., durch einige erläuternde Zeilen heben zu wollen, wäre ein vergebliches Beginnena). Nun ist ferner in der Metaphysik nachgewiesen worden, dass wir das wahre Wesen Gottes wegen seiner Vollkommenheit und der Besehränktheit unseres Fassungsvermögens nicht vollkommen begreifen können, wie ja auch unser Auge das Sonnenlicht nicht in seiner vollen Stärke erfasst, und zwar, weil das Licht zu stark und unser Auge zu schwach ist4). Und wie wir das Wesen Gottes nicht begreifen können, so vermögen wir folgerichtig auch die Natur seines Wissens, welches ja eben zu seinem Wesen gehört, nicht zu erfassen. Nur die Thatsache ist uns gewiss, dass Gott auch das Zukünftige weiss-, Näheres können wir nicht wissen und darum auch die Vereinbarkeit dieser Thatsache mit der anderer Seits ebenso gewissen Willensfreiheit des Menschen nicht erklären5 6). Von unserem Urtheil 1J Bei Tibbon ist והוא הידוע nach Cod. 78 u. den vier alten Ausgg. zwischen שהוא המדע und והוא היודע einzuschalten; alle drei Ausdrücke auch im Arabischen u. (in Jes. hat. II, 10. 2) Dasselbe in Jes. hat. a. a. 0. und Mor. I, 68., Als Quellen sind etwa alfarabi (z. B. Princip. S. 12. 18) und ibn sina (s. schahrastani II, 255 ff. Haarbr.) anzusehen. Bei ihnen erscheint der Aristotelische Satz in der vielfach angeführten Stelle Met. XII, 9 schon zu der Gestalt erweitert, welche wir bei M. und anderen jüdischen Religionsphilosophen antreffen. Es ist die Stelle: a6׳tov apa voeT, s&rsp ioxt tö xpaTicTOv, xal eoxtv voyjois voyj ostoc v07]01c. s) Vgl. Mor. I, 68 Anf. 4) MOSEH B. esra in seiner um 1180—1140 verfassten religionsphilosophischen Schrift ערוגת הבשם (Zeitschr. Zion II, S. 122—128) führt aus dem «vorzüglichen Wandel» alfarabI’s dessen Ausspruch an: es könne die menschliche Vernunft wegen ihrer Unvollkommenheit die erste Existenz oder den Schöpfer nicht erfassen, wie ja auch das Auge vom Sonnenlichte geblendet werde (s. auch steinschneider’s Alfardbi S. 70 u. A. 19 das.). Auch erinnert das Bild an das herrliche Gleichniss in plato's Staat, VII Anf. Ein ähnliches s. auch bei abr. ien esra, Jes. mor. XII g. E. Vgl. auch M. selbst in Mor. I, 59, wo mum auf bachja’s Epfl. I, 10 (S. 85) verweist. 6) Vgl. die oben schon angeführte Stelle Mor. IE, 20. 21. — In Mor. HE, 20 lautet der Ausdruck bestimmter: Das Wissen Gottes ändere an der Natur des nur Möglichen nichts; es bleibe ungeachtet des göttlichen Wissens eben nur möglich und unterliege dem eignen Entschlüsse des menschlichen Willens — ähnlich wie schon ibn datjd im JEm. ram. II, 6, 2 S. 95 f.; vgl. ob. S. 78, A. 5, e.