Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2720961--077-2723019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
74 ist, sagt er, aus der Metaphysik bekannt, dass Gott nicht vermittelst der Wissenschaft weiss oder vermittelst des Lebens lebt1), so dass Er und die Wissenschaft, Er und das Leben ein gesondertes Dasein etwa haben, wie dies beim Menschen und dessen Wissen der Fall ist, wo allerdings ein Mensch ohne Wissenschaft und die Wissenschaft ohne jenen Menschen, der sie gerade besitzt, gedacht werden und so beide gesondert bestehen können. Wären ebenso für Gott Wissenschaft und Leben äusserliche, neben ihm bestehende Dinge, so müssten sie auch neben ihm von Ewigkeit her bestehen. Folglich wäre eine Vielheit vorweltlicher Dinge anzunehmen nothwendig, nämlich ausser Gott selbst das Leben, die Wissenschaft, die Allmacht und so alle seine Attribute besonders2). Dies übrigens, sagt M., ist zunächst nur Einer und zwar ein leichtfasslicher von den unwiderleglichen Beweisgründen, die sich hier geltend machen lassen3). Die Unmöglichkeit der angeführten Folgerung ergiebt also, dass Gott und seine Attribute Eines sind, wonach man von Gott sagen kann, er sei Wissen- (ob. S. 18 u. A. 4 das.); — c) jeh. halevi (ob. S. 20 u. A. 5 das.; abweichend von ihm, lässt M. im Mor. III, 21 nur ein schöpferisches Wissen in Gott gelten); — d) abr. ibn esra, der (im kurzen Gommentar zu 2. Mos. 28, 26) einfach behauptet, das Vorherwissen Gottes beschränke den freien Willen des Mensehen nicht und hierbei wahrscheinlich auf Saadia’s Ausführung stillschweigend deutet; — e) ibn daud, der (.Em. mm. II, 6, 2, S. 96) sagt, Gott wisse das wahrha ft Mögliche eben als solches, womit Mor. III, 20 übereinstimmt. ף S. Mor. I, 57. 2) So argumentirten schon die Mutaziliten (schahrastani I, 42. 44. 45 Haarbr.). Vgl. Mor. I, 51: «Hierzu kommt, dass viele Dinge von Ewigkeit her sein müssten, wenn es mehrere Attribute gäbe.» — Ausführlich hat M. seine Attributenlehre in Mor. I, 51—60, wozu I, 51 die Einleitung bildet, dargelegt. 3) Andere sind z. B. Mor. III, 20. 21 angegeben. Als unterscheidende Merkmale des göttlichen Wissens, wodurch dieses über alle Vergleiche mit dem unserigen hinausgehoben erscheint, werden (Mor. III, 20) namhaft gemacht, dass das Eine und ungetheilte Wissen Gottes: a) viele Arten verschiedenen Wissens enthalte, b) sich auf das (noch) nicht Seiende beziehe, c) das Unendliche aller Zeiten umfasse, d) unverändert bei dem Eintritt der Veränderungen in dem Gewussten bleibe, e) durch seine eigne Bestimmtheit Nichts an der Natur des nur Möglichen ändere; wozu nach Mor. III, 21 noch hinzukommt, dass f) Gottes Wissen ein schaffendes, unseres ein nur beobachtendes, aufnehmendes ist (Letzterer Satz widerstreitet dem Kalam und jeh. halevi: S. 20 nebst Ä. 5 das. u. hier Z. 1 der Anmerkungen, unter c).