Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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Gebornen Abtrünnige und Fromme, Tugendhafte und Böse sein, so wäre dies doch nur die Vorherbestimmung einer ohnehin eintretenden Thatsacbe, die keinen Einzelnen zwänge, gerecht oder böse zu sein. Ebenso ist der vorher verkündete Götzendienst Israels und die daran geknüpfte Strafandrohung (5. Mos. 31, 16) durchaus keine die Mensehen zwingende Bestimmung; es ist vielmehr eine bedingte Drohung, die ja nicht in Erfüllung gehen muss, wenn die bedingende Schuld unterbleibt 1). b) Anders ist es zu erklären, wenn Gott «das Herz Pharao’s verhärten» will (2. Mos. 14, 4), dass er Israel nicht entlasse und ihn dann ob seines Ungehorsams dennoch zur Verantwortung zieht. Hier haben wir es mit einer Strafe wegen früherer Grausamkeit zu thun, die Pharao und die Aegypter mit noch freiem Entschlüsse an Israel begangen hatten2). Unter den verschiedenen Strafen, welche Gott nach den Eingebungen seiner Weisheit und Gerechtigkeit für begangene Sünden je nach Verdienst verhängt, gehört auch die Ent ziehung der Willensfreiheit hinsichtlich der Bekehrung, die den Sünder noeh retten könnte. Wie Gott den Jarobeam der Freiheit im Gebrauche der freventlich ausgestreckten Hand (1. Kön. 19, 11), die Sodomiter der Freiheit im Gebrauche ihrer Sehkraft zur Strafe beraubte: so entzieht er zuweilen dem entarteten Sünder die Kraft des Willens in einer bestimmten Richtung, so dass der Frevler daran zu Grunde geht* Die wiederholten Aufforderungen an Pharao aber bei der Gewissheit gänzlicher Erfolglosigkeit sollten ihm seine sittliche Ohnmacht und der Welt zum abschreckenden Beispiele diese Art von Strafe zum Bewusstsein bringen (2. Mos. 9, 15. 16) 3). — Ebenso ist ein ähnlicher Ausdruck in Bezug auf König Sichon (5. Mos. 2, SO) zu verstehen, welchen die Erklärer so schwierig gefunden haben. Auch Sichon hatte 1) Dasselbe kurz gefasst in H. Tesch. VI, 5. Das. scheint vor den Worten והלא כתוב בתורה Q1ne Ducke zu sein und wäre etwa °4 ואם תשאל ותאמרßr Aehnliches zu ergänzen. 2) Tibbon nach Cod. 78, ält. Ausgg. u. dem Arabischen: לענשם על מה שקדם מחמס שעבודם• ף Tibbon nach Cod. 78: ואמר לו הנני מבקש ממך עזתשלחם, ולו שלחתם היית נעול und weiter unten: במ״ש ולמען ספר שמי בכל הארץ« כלומר יספרו בכל הארץ *1שהשם אפשר שיענוש האדם וגו