Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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65 Disposition durch Anlagen werden also als sittenbildend äusserer Einfluss und eigne Entschliessung sowie empfangene Belehrung, zu denen eine befestigende Gewöhnung hinzutreten müsse, um einen bleibenden Erfolg zu gewähren, namhaft gemacht1). Aber, fügtM. hinzu, es ist eine Vorschrift der Ethik, die auf falschem Wege befindliche natürliche Neigung, Disposition oder Gewöhnung durch die Kraft des Willens zum Guten zu lenken 2). Hierbei sei aber die Zeit der Jugend nicht zu verabsäumen, da sie für Jeden die günstigste sei, schlechte Gewohnheiten zu ändern und sittlich besser zu werden, während im Alter Alles schon zu starr geworden 3). Das Angeborne ist also — wie es wiederum im achten Abschnitte der ,Einleitung zu Äbot heisst — dem Menschen kein Hinderniss, ganz nach eigner Wahl sittlich zu leben und sich zu entwickeln. 2. Eine Bestimmtheit des Menschen hinsichtlich aller seiner Angelegenheiten, mit Einschluss des Sittlichen, behaupten die Anhänger der Astrologie. Die Geburt des Einzelnen unter der Herrschaft gewisser Gestirne soll nach ihnen seine Tugendhaftigkeit oder Lasterhaftigkeit begründen, so dass ein bestimmtes thätiges Verhalten ihm unvermeidlich nothwendig und nicht mehr Gegenstand seiner freien Wahl wäre4). M. nennt diese Aufstellungen Wahngebilde5) und die Anhänger derselben dumm6). — ג) Die Aristotelische Dreiheit: cpuai?, eflo?, 8180^ף׳ (oder Xoyo?) erscheint hier in frei ändernder Benutzung. Die Annahme eines Zusammenwirkens aller die Sittlichkeit gestaltenden Einflüsse mit vorwiegender Bedeutung der Gewöhnung ist ebenfalls Aristotelisch (Pölit. VII, 13. 15; NE X, 10). Vergl. gazzali's Mosne Zedek, S. 85. 2) Deot I, 3. s) Zu Ab. I, 14. — Parallelen aus plato, aeistoteles und ibn gebirol s. ob. S. 5, A. 4. 4) abr. ibn esra sucht in Jesod mora, VII seinen astrologischen Aberglauben mit der menschlichen Willensfreiheit durch die Annahme zu vereinigen, dass eine moralische Weltordnung auch in den Constellationen herrsche, so dass dennoch Jedem nur Dasjenige bestimmt wäre, was er verdient oder wozu er sich durch sein theoretisches und praktisches Leben fähig gemacht hat. Das sei der Sinn des talmudischen אין מזל לישראל (Sehabb. 156 a) und des biblischen א^ך 5) חלק ה' ^-,וך אותס וגו'• M0S. 4, 19); das nach Gottes Geheiss lebende Israel zwinge gewissermaszen die Gestirne, seinem Verdienste zu entsprechen. 5) Tibb. nach Cod. 78: חשגעונות אשר יסברו בהם וגל• 6) טפשים: Tesch. V, 4. — Im Sendschreiben an d. Gelehrten der Gemeinde 5