Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
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64 meistern, so lässt uns M. darüber nicht in Zweifel. Belehrung, Anleitung und Gewöhnung macht er in seinen hierbei gegebenen Beispielen namhaft. — Hierauf führt im Grunde auch die Darstellung des Gegenstandes in seiner späteren Bearbeitung der Ethik1). M. theilt daselbst, etwas abweichend von der Einleitung zu Äbot, die Neigungen der Menschen im Bereiche des Sittlichen, dem Ursprünge nach, in drei (oder fünf) Klassen: a) Neigungen, die den Menschen vermöge ihrer körperlichen Natur angeboren sind; b) Neigungen, zu denen die Menschen durch ihre Natur mehr disponirt sind als zu anderen; c) Neigungen, die nicht von einer angebornen Natur herrühren, sondern a) von Anderen angenommen; ß) Ergebniss eigner Eingebung; ך) Folge empfangener Belehrung; aber durch Gewöhnung im Gemüthe fest, gleichsam zur zweiten Natur geworden sind. Neben den natürlichen Tugenden und Lastern 2) und neben der ף Deot I, 2. 2) Die Annahme natürlicher Tugenden und Laster ist ein äugenscheinlicher Unterschied dieser späteren Darstellung gegen die frühere der EM. zu Äbot. Doch geht auch sie auf Aristoteles zurück. Derselbe sagt NE. VI, 13: Es giebt eine natürliche Tugend (cpuatz•/] dpeTYj) und eine eigentliche (xupia). Jede der sittlichen Tugenden ist gewissermaszen schon von Natur vorhanden; denn als gerecht, massig, tapfer u. s. w. oder auch umgekehrt verhalten wir uns von unserer Geburt an. Aber gleichwohl suchen wir im eigentlich Guten noch etwas Anderes und verlangen, dass in ihm dergleichen in anderer Weise vorhanden sei. Kommen doch die natürlichen Eigenschaften auch Kindern und Thieren zu, erweisen sich aber ohne Vernunft (aveu vou) zuweilen als schädlich. Es wird also eine Eigenschaft jener Art erst durch die V-erbindung mit der Vernunft zur eigentlichen Tugend (Aehnl. M. Mor. I, 35 Bkk.; vgl. auch ibn zaddik’s Mikrok. S. 63). — Man sieht hieraus zugleich, dass auch bei M. die Annahme natürlicher Tugenden und Laster an dem entscheidenden Ergebnisse Nichts ändert, dass die eigentliche Sittlichkeit von dem Angebornen unabhängig erhalten werden kann. — Unerheblich ist eine zweite noch jüngere Abweichung unseres Autors in demselben Punkte, wenn er {Mor. III, 22) zur Erklärung des bekannten biblischen Satzes: «Der Trieb des Menschenherzens ist böse von Jugend an» (1. Mos. 8, 21) sagt, der Hang zum Bösen sei durch die materielle Natur des Menschen gegeben, während erst die Vervollkommnung der Vernunft die Neigung zum Guten schaffe.