Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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62 Sechstes Capitel. Von der menschlichen Willensfreiheit1). Die menschliche Willensfreiheit hat, wie M. an einer früheren Stelle seines Mischnah-Commentars bemerkt, die kenntnissreichsten Philosophen beschäftigt. Die Erörterungen derselben bieten manche Dunkelheit dar, wenn man nicht die vielen Vorkenntnisse, die zum Verständnis erforderlich sind, mitbringt. Die jüdisehen und nichtjüdischen Theologen hätten sich vergebens bemüht, die Fragen in befriedigender Weise zu lösen, da der philosophische Anstrich ihrer Erörterungen nur Schein sei, der eine gründliehe Prüfung nicht aushalte. Er selbst wolle — allerdings nicht erschöpfend — in seiner Arbeit zu Äbot den Gegenstand behandeln und die Uebereinstimmung der Philosophie und der Offenbarung in dieser Materie nach weisen 2). MAIMONIDES hat seinem Vorsatze gemäss in der Einleitung Abschnitt VIII und im Gommentar m Äbot die menschliehe Willensfreiheit eingehend erörtert Er beginnt an erstgenanntem Orte damit, die der Annahme der Willensfreiheit entgegenstehenden Behauptungen zu widerlegen. Seine Auseinandersetzung lässt sich etwa folgendermaszen wiedergeben. J) Der achte Abschnitt der Einl. zu Äbot, dessen Darstellung wir hier im Wesentlichen folgen, hat die Ueberschrift: «Ueber die menschliche Naturanlage», von tibbon (in den Ausgg.)0 ביצירה האנושית(fer (ln Cod. 78)בטבע האנושי übersetzt. Die Ueberschrift passt nur zum ersten Theile des Abschnittes, erschöpft aber den Inhalt desselben nicht. Weitere Hauptstellen über die Willensfreiheit bei M. sind: Tescli.V und VI; Mor. III, 16—21. Diese und andere Stellen sollen zur Ergänzung und Erläuterung im Folgenden, immer mit näherer Angabe, benutzt und so zugleich der Fortschritt in der eignen Auffassung M.’s anschaulich gemacht werden. 2) Zu Berach. IX, 5 Schl. — Die Reihe der Philosophen, welche die menschliche Willensfreiheit zum Gegenstände eingehender Studien gemacht haben, eröffnet bekanntlich ALEXANDER von aphrodisias in seiner Schrift fiept eijxap^eviqs, nachdem chrysipp diese Frage mit der Lehre der Stoiker von der Herrschaft des Verhängnisses in Einklang zu bringen vergebens versucht hatte. Unter den arabischen Theologen bildete sie einen Hauptpunkt des Zwiespalts zwischen den Mutazila und Ascharija wie zwischen den zu diesen oder jenen hinneigenden Schulen. In jüdischen Kreisen war es saadia zuerst, der die Willensfreiheit erörterte (s. oben S. 10); auf ihn folgten b ach ja (S. 14, A. 5), ibn zaddik (S. 18), JEHÜDAH HALEVI (S. 20), ABRAHAM IBN ESRA (JeSöd m0ra, VII), IBN DAUD (S. 23 f.).