Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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60 Die Wahl oder der eigne Entschluss heim Handeln muss nach M. auch hinsichtlich des beabsichtigten Zweckes sittlich sein; mit der äussern Handlung muss im Innern des Menschen eine entsprechende Gesinnung sich verbinden. Das Gute muss um des Guten willen gethan und gefördert, das Böse um seiner selbst willen unterlassen oder verhütet werden 1). Auch hierin folgt M. ebenso den jüdischen Quellen2) wie dem ARISTOTELES3). Wenn dennoch, sagt M., unsere Weisen im Talmud und Midrasch auf Lohn und Strafe nachdrücklich hingewiesen und so durch Erregung von Furcht und Hoffnung auf das religiöse und sittliche Leben einzuwirken versucht haben, so geschah dies mit Rücksicht auf die vielfach vorkommende Unreife in sittlicher Beziehung und weil sie als tiefe Kenner der Menschennatur einsahen, es sei überall, fürs erste wenigstens, nothwendig und werthvoll, das äussere richtige Verhalten zu sichern, während die Vollkommenheit des sittlichen Standpunktes allerdings erst bei innerer Zustimmung und Anregung vorhanden sei. M. erläutert dies sehr ansprechend durch ein Gleichniss. Ein Kind, das den Schulbesuch und das Lernen erst liebgewinnen soll, werde vorläufig dafür mit Versprechungen von Genuss und Vortheil gewonnen, welche nach den Fortschritten seiner Entwiekelung nöthigenfalls zu immer höheren Gegenständen emporsteigen, ohne den eigentlichen Zweck des Lernens geltend zu machen, weil der Werth des Wissens an sich dem Kinde durchaus unverständlich sei und ein Antrieb für sein Streben noch nicht werden könne4). Und dieses Ver- 1J Mnl zu Sank. X; zu Äbot I, 3; JE?. Tesch. X, 1. 2. 4. 5. 2) ■Abot 1, 3; 11, 17; Sifre zu 5. Mos, 6, 5: 5עשה מאהבה ועשה מיראה ^e־ rach. 5b: אחד המרבה ואחד הממעיט ובלבד שיבוין לבו לשמים; Äb. sar. 19a: במצוחין 8;חפץ מאד א״ר ^עזר במצותיו ולא בשכר מצוחיוmK 106b: רחמנא לבא בעי• Vgl. bachja’s Hpfl. V, 5 S. 279; 1m zaddik’s Mikrokosmos S. 64. 66 unt. 8) S. oben S. 59, A. 5. 4) Das Gleichniss ist mit seltener Meisterschaft ausgeführt, konnte hier aber nur kurz angedeutet werden. Eine Vergleichung mit demselben Gleichnisse bei bachja {Hpfl. IY, 4 S. 235) zeigt deutlich, dass M. von dort viele Züge entlehnt und selbständig benutzt hat. Aber auch bachja ist nicht Erfinder des Gleichnisses, sondern freier Bearbeiter des bei gazzali (Mosne zedek II, S.' 13) vorgefundenen, wie ein Zusammenhalten der beiden Stellen lehrt. M. hat nun gazzali — und zwar mit Reminiscenzen aus bachja — hier unzweifelhaft benutzt. Man sehe, wie G. an derselben Stelle (p. 11 ff.) mit einer Eintheilung