Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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- v 56 vorkomme, bestehend in dem Glauben einer wahren oder einer Irr־ lehre, aber allerdings keine eigentliche Handlung, die einfach als Aus־ Übung einer Gesetzesbefolgung oder Gesetzesübertretung x) bezeichnet werden könnte 1 2). Die Tugenden aber, fährt M. fort, sind von zweierlei Art: ethische Tugenden (Tugenden der Sittlichkeit) und dianoetische Tugenden (Tugenden des Denkens)3), und ihnen entsprechen zwei Arten von Untugenden. A. Die dianoetischen Tugenden kommen dem Denkvermögen zu. Zu ihnen gehört die Weisheit, d. h. Erkenntniss der nahen und entfernten Ursachen der Dinge nach vorangegangener Erkenntniss des Daseins derselben4); ferner Vernunft, und zwar: a) die uns angeborne theoretische Vernunft, nämlich das unmittel־ bare Wissen der Principien 5 6); b) angeeignete Vernunft, die nicht 1) י אסם עמל מצור• א ר עברה wonach tibbon hätte übersetzen müssen: עשות מצור. או עברה (scheyer das.). 2) Vgl. Mor. II, 4: Ein Gedanke im Geiste allein genügt noch nicht, um die Bewegung eines "beseelten Wesens hervorzübringen (s. auch arist. De an. III, 10), wie die Erfahrung jedes Einzelnen bestätigt. Es muss sich mit dem Gedanken ein Begehren nach dem gedachten Gegenstände verbinden. — aristot. NE'. VI, 2: Für das weder auf das Handeln noch auf das Gestalten ausgehende, theoretische Denkvermögen besteht Gut und Böse im Wahren und Fals chen (Vgl. ob. S. 55, A. 1). — Hier zeigt uns M. übrigens die Wurzel für die von ihm in die Halachah eingeführte Mitzählung von Glaubenssätzen als Gesetze der Tor ah (s. Buch d. Ges., Geb. 1. 2 u. Verb. 1), wiewohl eine derartige Ansicht schon bei früheren philosophisch gebildeten Schriftstellern sich findet (bachja, EM. zu Hpfl. S. 4 und abr. ibn ESRA in Jes. mora VII und zu 2 Mos. 20, 1). nachmanides in seinen Einwürfen zu Geb. 1 ist noch darüber verwundert und weist darauf hin, dass simon kahira in der EM. zu s. Halachot gedolot nur gebotene und verbotene Handlungen zu den 613 Gesetzen der Torah gezählt habe, während er die Glaubenswahrheiten vielmehr für Grundlagen und Voraussetzungen der mosaischen Gesetzgebung angesehen habe. 3) Nach arist. NE. I, 13 g. E.; vgl. Eud. Eth. II, 1. — Dieselbe Haupteintheilung der Tugenden s. m MUL hig., 14. — Schon plato schied bekanntlich die Seele in ein Xö^ov e^qv und in ein aXoyov und wies jedem Gebiete seine Tugenden ' zu — was auch M. Mor. I, 1 erwähnt wird. \4) NE. 1, 13 g. E. ebenfalls als Beispiel angeführt; erläutert das. VI, 7 u. von M. im Mor eh III, 54 als erste Bedeutung des hebr. Wortes ,יחכמך 6) Nach NE. VI, 6. Vgl. Mül hig., VIII.