Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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54 Viertes Kapitel. Die bestimmte Beziehung der einzelnen Seelenkräfte zum sittlichen Leben. MAIMONIDES will zuerst von dem Verhältnis der einzelnen Seelenvermögen zu den sittlichen Handlungen sprechen. Gleichhedeutend mit denselben sind ihm, zufolge seiner Ansicht über die Harmonie zwischen Philosophie und Offenbarung, die Kundgebungen des Gehorsams oder Ungehorsams gegen das Religionsgesetz, und so zieht er in Rücksicht auf die voraussichtlichen Leser seiner Arbeiten zur Mischnah1) es vor, von dem Verhalten zum Gesetze bei dieser Untersuchung auszugehen 2). Die vorschriftswidrigen und vorschriftsmässigen Handlungen, beginnt M., sind in zwei von den genannten fünf Theilen der Seele zu suchen, im Empfinäungs- und im Begehrungs vermögen. Hingegen haben Ernährungs- und Einbildungskraft damit Nichts zu schaffen, da Bewusstsein und Wahl in keiner von beiden eine Ein- Wirkung übt3) und Niemand absichtlich deren Verrichtungen hindern oder lenken4) kann. Ueben sie doch im Schlafe die ihnen eigenthümlichen Thätigkeiten wie kein anderes Vermögen der Seele5). l) S. oben S. 34, A. 1. ג) Perak. II, woraus dieses Capitel schöpft, müsste bei Tibb., dem Arabisehen zufolge, überschrieben sein: בעברות כחוח הגפעז (scheyer, Psychol. d. Maim.). Nach dem Anfänge des Abschnittes selbst fehlt aber schon in der arab. Ueberschrift וטאעאת hinter פי מעאצי und hätte Tibbon übersetzen müssen: בעברות ומצוות אשר לכרזות הנפש• 3) Tibbon nach Cod. 78 (übereinstimmend mit dem Arabischen): שאין לרעת ולבחירה באחת מהם מעשה כלל• Schon die ältesten Drucke S. N. Ar. B. haben eine fehlerhafte la: שאין רעת ובחירה לאחד משניהם ולא מעשה כלל vermuthüch aus Missverständniss des Wortes ,ימעשך welches für «Handlung,» wie sonst, genommen wurde. Spätere Ausgaben enthalten weitere Aenderungen auf Grund desselben Irrthums. 4) יקארהמאstיקרהמא ״ bei pococke und להנהיגם st• למעטם bei tibbon (scheyer a. a. 0. S. 103). — Anders Fleischer in ed. wolff S. 86: יקסרהמא erzwingen. 5) Hier weicht M. von alfarabi ab, der (.Princip. S. 35. f.) allen Kräften der menschlichen Seele — denen er jedoch das Ernährungsvermögen gar nicht beizählt — (s. ob. S. 47, A. 4), einen Antheil an den sittlich guten oder verwerflichen Handlungen zuschreibt, abr. ibn datjd weist jedem seiner drei Seelen vermögen, zu denen das ernährende mit gehört, eine seiner Cardinaltugenden zu (Mn. ram. III, S. 110). M. folgt hier im Wesentlichen dem Aristoteles, der (NE. I, 13) die