Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2720961--056-2722998
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

53 wackere Weib» (אשת חיל : Spr. 317 10) bedeute demnach eine besonders günstige Materie, d. h. eine natürliche Anlage des Körpers, die den Anforderungen der Sittlichkeit sich leichter füge1). Das Böse habe also dieselbe Quelle wie das Uebel, nämlich das Nichtsein2). Das Böse und die daraus hervorgehenden Schäden wurzeln nämlich in der Unwissenheit, d. h. Nichtsein des Wissens. Jeder bereite nach Maszgabe seiner Unwissenheit sich und Anderen Leid und Schmerz. Begierden, Ansichten, religiöse Glaubensmeinungen werden Quellen solcher Schlechtigkeit und solches Leides; eine richtige Erkenntniss würde sie unwirksam machen. Ebenso würden Hass und Streit in der menschlichen Gesellschaft nicht Vorkommen, wenn Jeder die Erkenntniss der Wahrheit unverkürzt besässe. Darum hebe, wie der Prophet (Jes. 11, 6—9) sagt, eine wirkliche allgemeine Gotteserkennt־ niss allen Zwist auf3). Nichtsein (= Satan oder das Irreführende), Sündenreiz (יצר הרע) und Uebel (= Todesbote, מלאך המות) seien, wie talmudische Aussprüche schon bemerkten (R• SIMON B. LAKISCH in Bab. batr. 16 a und die Boraita das.), in der That Ein und Dasselbe.; Jener sittliche Gegensatz im Menschen sei eben durch den herkömmliehen Ausdruck: «Trieb zum Guten» (יצר הטוב) und «Trieb zum Bösen» (יצר הרע) bezeichnet worden4).- Wenn so die Höhen und Tiefen des menschlichen Seelenlebens im Allgemeinen zugleich als die Ausgangsorte des Sittlichen erscheinen, so ist nun weiter die Frage, welche von den angegebenen Vermögen der Seele die unmittelbaren Ursachen bestimmter Handlungen seien. Der Beantwortung dieser Frage widmet M. den zweiten Abschnitt seiner Einleitung m Abot1 deren Inhalt wir nun darzulegen haben. müssten wir uns am meisten hüten. Sie besteche unser Urtheil und erst, wenn wir ihr den Abschied gegeben, wie die Greise vor Troja der helena gegenüber thun wollten, seien wir im Stande, das Richtige in unseren Handlungen zu treffen. 0 Mor. III, 8. 2) GT£pY]G1?, Nichtsein d. h. Bestimmungslosigkeit ist bekanntlich bei arist. (Phys. I, 7 und sonst) die Bezeichnung der Materie als des nur möglichen Substrats für jedes Seiende, das erst durch Hinzutreten der Form zu Stande komme. Auch plato hatte schon der Materie ein wirkliches Sein abgesprochen. 3־) Mor. III, 11. 4) Mor. III, 22.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.