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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 56

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720961--055-2722997
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52 schrittenen Geist im Vergleiche zu den Anlagen, welche die Seele ausmachen, hier dennoch wenigstens in Kürze angewendet hat, so ist, wie aus anderen Stellen sich ergiebt, dieses für einen Grundgedanken seiner Ethik in der That von Bedeutung. Wir haben bereits früher *) das Gute und Böse als den Gegenstand der Ethik kennen gelernt. M. nun weist das Gute der Form am Menschen zu, d. h. seinem zur Erkenntniss gelangten Geiste, das Böse aber seiner Materie, d. h. seiner sinnlichen Natur * 2). Erkenntniss Gottes, Begriffe der Vernunft, Beherrschung von Lust und Zorn, Prüfung dessen, was zu thun und was zu meiden sei, erklärt er für eine Wirkung der geistigen Form am Menschen. Dagegen gehen die Leidenschaften im Gebiete von Speise und Trank, Geschlechtsleben und Zorn, kurz, jede Art von Laster von der Materie am Menschen aus. Darum müsse die «Form» im Menschen herrschen, um die Leidenschäften zu bezwingen und eine möglichst richtige und angemessene Lebensführung zu schaffen3). Das «Weib eines Andern» und das «entartete Weib», vor dem in den biblischen Sprüchen gewarnt wird (Spr. 7, 6 ff.), sei lediglich ein Bild und Gleichniss für die Materie, die bekanntlich nirgends ohne die Form vorkomme (also stets eines Andern sei) und die Form fortwährend wechsle (keiner Form für immer treu bleibe); es sei der thierische Leib am Menschen, dessen verführerische Sinnlichkeit so leicht zur Sünde verleite 4). «Das ף S. 86 f. י) plotin erklärt die Materie nach philO’s und der Neupythagoreer Vorgange geradezu für das Böse, während hei plato nur Andeutungen dieser Vorstellung und noch schwächere hei Aristoteles sich finden, plotin muss das Böse der Materie zuschreihen, da die Seele vermöge ihrer höheren Natur vom Bösen frei ist und nur durch die befleckende Verbindung mit einem an sich Bösen, der Materie, dazu kommen kann (zeller, Philos. d. Gr. III2, 2 S. 489). 3) Mor. III, 8; vgl. I, 72 hei der Erklärung des Begriffes Mikrokosmos als Bezeichnung für den Menschen. 4) Oben S. 26, A. 2. Diese allegorische Deutung des «buhlerischen Weibes» als Materie spricht übrigens schon r. maimun, der Vater unseres M., aus (s. den Auszug von dessen Sendschreiben über den Religionszwang in Ghemdah genusah p. LXXVI). Vgl. als ältestes Vorbild dieser Art von philosophischethischemMidrasch die Anwendung, welche Aristoteles {NE. II-, 9) in seiner allerdings etwas abweichenden Art von der Erzählung HOMER’s {II. II, 159—160) macht. Er sagt: Vor der Sinnenlust und deren Gegenstände, dem Angenehmen,

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