Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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50 Vermögen, wodurch er erkennt, sein Nachdenken möglich wird, er die Wissenschaften sich aneignet, verwerfliche und geziemende Handlungen unterscheidet 1). Diese mehrfache Thätigkeit des denkenden Theiles entspricht einem praktischen und einem theoretischen Denkv ermögen und zwar ist das praktische wiederum entweder ein ktinstlerisches2) oder ein überlegendes Vermögen. I. Was nun zuerst das theoretische Denken betrifft, so ist es das Vermögen, die Dinge zu erkennen, wie sie eben zufolge eines ihr Wesen bestimmenden Gesetzes mit Nothwendigkeit sind3). Das Ergebniss hierbei sind die Wissenschaften. II. Die Anlage zur Kunst ist das Vermögen zur Erlernung der Künste, z. B. Baukunst4), Landwirtschaft, Arzneikunde, Schifffahrt. III. Das überlegendeDenkenist das Vermögen im Menschen, *) Für die sogleich folgende Eintheilung wäre die präcisere Fassung von Mül. Ug. a. a. 0.: אשר בו ישכיל המושפלות וילמוד המלאכות ויכיר בין המגונה והנאה und der fast gleiche Wortlaut hei ibn daxjd (JE>m. mm. I, 6) passender gewesen. M. wird hier von der weitschweifigeren Erklärung in seiner Quelle (s. unten S. 51, A. 1) noch beherrscht. 2) מהגי: Tibb.: ־מלאכת מחשבת besser derselbe im Mor. III, 25: מלאכותי {vgb das. I, 46: לפעולות המלאכותיות)• 8) arist. NM. VI, 2 Bkk.: Der vernünftige Theil der Seele (to Xoyov eyov) ist ein doppelter. Mit dem Einen erkennen wir all diejenigen Dinge, deren Principien nicht anders sein können; mit dem andern Diejenigen, deren Principien anders sein können (oder Dasjenige, was einer Veränderung — durch den Menschen — unterworfen ist: Das. VI, 4 Anf.). Jener Theil der Seele soll der wissenschaftliche (to £7110x7] |j.ovr/.6v), dieser der überlegende (to Xoyiotixov) heissen. Die Hervorhebung des Veränderlichen für das praktische Gebiet im Gegensätze zu dem Unveränderlichen des theoretischen wird klarer durch Magn. mor. (I, 1), wo an plato’s ethischen Forschungen getadelt wird, dass er die Tugend mit dem Seienden und der Wahrheit vermischt habe, während sie Nichts mit einander gemein hätten. 4) or/ooofxtx^ ist auch das Beispiel des arist. NM. VI, 2. Dass Kunst und technische Fertigkeit auch schon bei A. in der Regel als gleichbedeutend angesehen werden, ist bekannt. Doch weiss A. die eigentliche Kunst von der handwerksmässigen zu unterscheiden. Er nennt nämlich Met. I, 1 die Kunst, die dem Bedürfnisse dient, neben der dem Vergnügen gewidmeten. — Anf eine Andeutung des Wesens eigentlicher Kunst bei M. (Mor. II, 4) hat scheter, Psychol. System d. Maim. S. 99, A. 11 hingewiesen.