Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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47 Die Veredelung der Sitten1) — so leitet nunmehr M. seine eigentliehe Erörterung ein — ist die Aufgabe, welche sieh der Lehrer der Ethik stellen muss; sie ist ein an der Seele und deren Kräften geübtes Heilverfahren2). Wie daher der Arzt vor Allem den menschliehen Körper in seiner Einheit wie nach seinen Theilen genau kennen muss, so muss auch dem Sittenarzte die Seele init all ihren Vermögen oder Theilen vollständig bekannt sein3). Es sind nun fünf Theile der menschlichen Seele anzunehmen: A. der ernährende, B. der empfindende, C. der vorstellende, D. der begehrende, E. der denkende Theil4). Ernährung, Empfindung und 1) S. oben S. 12, A. 2; S. 15, A. 4; S. 37, A. 5. 2) Ueber dieses vielfach gebrauchte Bild s. weiter unten zu PeraJc. III. 3) Vgl. aristotel. NE. I, 13: Der Politiker (Ethiker) müsse eine gewisse Kenntniss der Seelenlehre besitzen, wie der Augenarzt einer solchen des ganzen menschlichen Körpers bedarf und gebildete Aerzte überhaupt sich viel mit der Erkenntniss des Körpers beschäftigen. 4) Es unterliegt keinem Zweifel, dass M. hierin dem alfarabi gefolgt ist. Derselbe sagt (Prinäp. s. 2):ומהם נפשות בעלי החיים המדברים ׳ ומהם נפשות בעלי החיים בלתי מדברים• ואשר לבעלי החיים המדברים הם הכה המדברת והכה המתעורר והכח המדמה והכח המרגיש• Mhatte also zu diesen vier Vermögen der animalisch - menschlichen Seele nur noch aus Aristoteles das Ernährungsvermögen der Pflanzenseele hinzuzufügen und es ergaben sich ihm jene fünf Theile oder Vermögen der Menschenseele. Augenscheinlich wird die Benutzung alfarabFs in Peräk. I. aus der fast wörtlichen Uebereinstimmung in der Erläuterung der Seelenvermögen, wofür die Parallelen aus alfarabi in den folgenden Anmerkungen zum Belege dienen sollen; kleine Unterschiede des hebräisehen Ausdrucks rühren theilweise von der Verschiedenheit der Uebersetzer (SAMUEL TIBBON für M., moseh tibbon, dessen Sohn, für alfarabi) her. Vergebens versucht man diese Eintheilung des M. auf ARISTOTELES direct zurückzuführen. Derselbe giebt zumeist (De an. II, 2 f.; NHL I, 13 u. sonst) drei sogen. Theile der Seele an: a) ApE7mi0], &p£7m־it6v oder ©oxixov; b) ata$T]x17.Tj, a1a&7)T1״x.6v, £7ci&U[at)tixöv xat 0X00? opexTixov; c) vous, vo׳/]xixov, Bidvoia. Wenn A. NE. VI, 13 die Ape7mx׳rj den vierten Theil der Seele nennt, so scheint ihm dort das Denkvermögen (8tav07]Tt6*־v) als ein doppeltes, nämlich als ein theoretisches (£rc10TY]p10v1x6v) und praktisches (ßouXeuTrzov oder Xoyiaxrxov) vorzuschweben. Selbst die bei A. vorkommende Theilung in fünf Vermögen, nämlich flpEirxtxov, ata$׳rr xtxov, öpExxtttov, xiviqxizov *axa totcov, 0tav07)xrz0v (De an. II, 3, 1) oder &pETüxr46v, oda&Y)T1*6v, vo7)T1xov, ßoüXEUxixov, opExxixov (Das. III, 10, 5) stimmt mit M. nicht überein, da A. für die Einbildungskraft (das Vorstellungsvermögen) des M. in dem Einen Falle das Vermögen der Ortsbewegung, im zweiten Falle das auf das Praktische gerichtete Denkvermögen (ßouXEuxixov) setzt, hingegen die cpavxaata nach A. theils zur Empfindung, theils zur praktischen Vernunft gehört (cpavxaaia