Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2720961--048-2722990
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

45 gilt, was die Keuschheit und edle Enthaltsamkeit nicht gutheissen kann. — Aehnlich erklärt M. die Warnung der Mischnah {Äbot IV, 8) vor der Rechtsprechung als Einzelrichter für eine Abmahnung moralischer Natur, welche auch das gesetzlich Statthafte in diesem Falle widerrathe 1)j und tadelt den grossen Haufen, dem sich darin auch mancher Gesetzeskundige leider anschliesse, wegen der rein ausserliehen Abfindung mit dem Gesetze, wegen der Meinung, es sei genug geschehen, wenn die schwersten Vergehungen vermieden werden, als ob die sittlichen Tugenden nicht zu den Geboten des jüdischen Gesetzes gehörten 2).- In wiefern nun der Mensch dazu geeignet sei, die Forderungen der Ethik als ihm geltende, mögliche und unerlässliche anzusehen, zeigt M. in einer Besprechung der «Seele und ihrer Kräfte,» womit er seine Einleitung zu Äbot eröffnet. Drittes Kapitel. Die Quelle des sittlichen Lebens in den Kräften der menschlichen Seele im Allgemeinen3). Die Seele ist, lehrt MAIMONIDES, eine Einheit von verschiedenartig wirkenden Kräften, die auch zuweilen Th eile genannt werden, jedoch bei den Philosophen nur im uneigentlichen Sinne4). Fälschlich aber spreche man von mehreren Seelen, wie es bei den medicinisehen Schriftstellern üblich sei, deren Führer5) sogar mit dem Satze ף Zu Äbot. IV, 8. — Aehnlich werden schon im Talmud rechtlich gültige Acte aus Rücksichten der Moral und Humanität untersagt. So lehrt z. B. rab {Kidd. 41 a), es sei lieblos, den Ehe vertrag zu schliessen, ohne die künftige Frau gesehen zu haben, da leicht zu spät der Augenschein Fehler entdecke, die die Ehe unglücklich machen. Vgl. Bdb. Mm. VIII, Mischn. 7: Zur Erstattung angerichteten Schadens müsse die Bitte um Verzeihung hinzukommen. Aehnlich bachja JEfyfl. X, 7, S. 449. 2) Briefsamml. fol. 15a Br. oder Kobes II, Bla. 3) Aus Perak. I. mit der Ueberschriffe: «Von der Seele des Menschen und deren Kräften» sind die hier zunächst folgenden Mittheilungen geschöpft. 4) Maimonides folgt hierin dem Aristoteles (De an. II, 2, 11; III, 9, 2—3. 10, 5) und ibn sina, der ebenfalls die Einheit der Seele gelehrt hatte (Schahrastani II, 318 Haarbr.). 5) Nämlich hippokrates (nach galentjs, De JELippocratis et Platonis decretis III, 1 Anf.; V, 4. 7; VI, 2 u. sonst).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.