Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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37 Maimonides will in den angeführten Worten den Gegenstand der Ethik nur als wissenschaftlich unerweislieh bezeichnen und folgt hierin seinem Yorhilde ARISTOTELES, der nicht zugehen will, dass die Ethik eine streng wissenschaftliche Disciplin sei 1), sondern die Auf- Stellungen im Bereiche derselben «verbreitete Meinungen» (sv80£a) nennt 2). Keinesweges aber will M. mit der Ausschliessung der Vernunfterkenntniss auch die Vemunftgemässheit dem Gegenstände der Ethik absprechen. Er unterscheidet vielmehr innerhalb derselben das rein Conventionelle — die Sitte — und das Vernunftgemässe3), da das Denkvermögen, wie es als theoretisches das Wahre und das Falsche unterscheide, so als praktisches das Gute und das Böse zu ermitteln habe4). Die Ethik ist also nach M. die Lehre von den Tugenden und guten Handlungen. Aber nicht allein der Gegenstand, sondern auch der Zweck derselben ist ein praktischer. Darum bezeichnet M. als selbstverstündliche Aufgabe der Ethik die «Veredelung der Sitten»5) und nennt den Lehrer derselben, den Ethiker, einen Seelenarzt6). So viel über die Ethik als philosophische Disciplin. B. Was sodann die Stellung der Ethik in der Offenbarungs- *) NE I, 1. 7; II, 2 und sonst. 2) Das. VH, 1. 3) Mor. III, 8 bei der Besprechung der Zechgelage, wo die Trunkenheit als gleichzeitige Schädigung des Geistes und des Körpers vernunftwidrig genannt wird. 4) Vgl. arist. NE. VI, 5 — wo die Vernunft als die praktische (50?acm7t6v, Xo^tatixov, ßouXeüTiTtov) in der Ethik entscheidet, wiewohl sie als theoretische (sTiiGTYj^.ovi'z.ov NE. VI, 2) mit der Ethik Nichts zu schaffen hat. Ebenso unterscheidet maim. JPerak. I im Denkvermögen פכרי נטך־ד Tibb. und מחשבי)• 5) אצלאח ^אכלאק• Tibbon: תקון המרות m Perak I. Vgl. ob. S. 12, A. 2 und S. 15, A. 4. Schon der Begründer der philosophischen Ethik, ARISTOTELES, erklärt dieselbe für eine praktische, nicht theoretische Disciplin. Er sagt NE. I, 1: Wer die Ethik mit Nutzen hören soll, müsse schon eine gewisse Reife besitzen. Der Jüngling sei nicht der eigentliche Zuhörer, da ihm die Erfahrung fehle. Er sagt dann später: stt öe tot? 7ud&satv axoXou&TjTtxb? t5v [xatatw? cotouastat xal avu>- cpEXdS?, etceioyj tb teXo? (der Zweck nämlich der Politik Ethik) lattv 00 ■pmaiq aXXa TCpa&c. 6) Auf diese Anschauung und Benennung müssen wir später noch zurückkommen.