Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2720961--031-2722973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 Verehrung für die Ueberlieferungen des eignen Volkes zu der Annahme verleitet, es müsse alles Verwandte oder ebenfalls Berechtigte daraus hervorgegangen sein. Dahin gehört, wenn Maimonides den oft gehörohne Rücksicht auf die anders lautenden Erklärungen in den talmudischen Quellen, z. B. Abot II, 1 und 9. Maimonides sucht vielmehr in seinem Commentar zu diesen Stellen die Aussprüche der Weisen, so weit es ihm nöthig scheint, nur als Folgen der Aristotelischen Definition der Tugend darzustellen. Der Zwang hierbei macht sich genügend fühlbar, wie geistvoll auch die Vermittelung versucht wird. — Zu Abot II, 9 wird ferner der Ausdruck «ein gutes Herz» nach der psychologischen Theorie des Maimonides zurechtgelegt. — Perak. IV werden die Worte «Wahrheit und Friede» in Secharja 8, 19 nach der Aristotelischen Eintheilung der Tugenden erklärt: «Wahrheit» bedeute die dianoetischen, «Friede» die ethischen Tugenden. Hiermit ist zu vgl. zu Abot I, 18: «Recht» (ך־ון) bezeichne die gerechte Staatsleitung (Politik), «Wahrheit» dianoetische, «Friede» ethische Tugenden. — Die Herrschatt der philosophischen Autfassung führt zur Einführung philosophischer Bezeichnungen auf Unkosten der religiös-nationalen, wie zu Abot I, 2 «Torah» für philosophische Bildung und «Wohlthätigkeit» für ethische Tugenden genommen werden soll. — Zu Abot I, 6 giebt Maimonides der dort vorkommende Ausdruck: «Lass die günstige Seite bei der Beurtheilung jedes Menschen den Ausschlag geben» (את כל האדם לכף זכות p והוי) die Veranlassung, auf die der Tugend widerstreitenden Extreme zurückzukommen. Und doch wird das Bild dadurch sogar incorrect; denn «den Ausschlag giebt» gerade derjenige, welcher das Gleichgewicht durch eigne Zuthat aufhebt. — Zu Abot II, 4 bezieht Maimonides den Ausspruch: «Glaube an dich nicht bis zu deinem Todestage,» auf die unausgesetzte Uebung in tugendhafter Richtung {JDeot I, 2. 7 und arist. NE II, 1—3), indem er dem schlichten Sinne der Worte Zwang anthut. Dasselbe findet Maimonides zu Abot III, 15 in den Worten ־־־ והכל לפי רוב המעשה nicht mit Recht. — In Mischnah Abot III, 17 glaubt er die von ihm angenommene Theorie vom vous ezfonQto; (שכל נקנה) zu erkennen. — Zu Abot V, 7 wird das Merkmal des Weisen: «Er übereilt sich nicht im Antworten» auf den Disput mit Sophisten bezogen, von deren trügerischen Aufstellungen man sich nicht verblüffen und so zu unangemessener Antwort bringen lassen dürfe, sondern die Trugschlüsse müssten klar durchschaut und dargelegt werden, — als ob es sich um die Erklärung eines unter griechischen Zuständen entstandenen Ausspruchs handelte. Bezeichnend sind auch die Beispiele, welche das. für שואל כענין ומשיב כהלכה gegeben werden. — Der Ausdruck זו מלה בינונית in A&ot V, 10 bedeutet in der That ein mittleres, aber sicherlich nicht ein tugendhaftes, löbliches Verhalten; das zeigt der Zusammenhang der ganzen Stelle: M. lässt sich bei der Erklärung jener Stelle in seiner Eingenommenheit für das Aristotelische Mittelmasz nicht irre machen und findet darin nur eine Bestätigung für seine Erklärung des Ausdruckes חסיד• Allenfalls ist als Orientirungsmittel für!311110 sophisch gebildete Leser die angeführte einfache Umschreibung durch die damals feststehenden Ausdrücke der philosophischen Ethik gerechtfertigt. So wenn ferner zu Abot 1,5 נורם רעה לעצמן durch die Worte erklärt wird:שיקנה פחיתות מרות לגפשו