Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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27 stellen. Ein tief empfundenes Bedürfniss drängte dazu, seitdem die Lehre und die Ueberlieferung Israels im Geiste und im Gemüthe ihrer Bekenner mit einer grundverschiedenen Bildung und Lebensrichtung zusammentrafen, denen Einfluss und Berechtigung nicht streitig zu machen war. Dieses Bedürfniss ist ein so unabweisliches, dass es die Aufgabe der Denkenden in Israel immer gewesen und immer bleiben wird, das heilige Erbe der Yäter dadurch vor Untergang zu schützen, dass ein Weg der Verständigung und des Einvernehmens zwischen dem anfänglich schroff Entgegengesetzten gesucht und durch Liebe und Besonnenheit auch gefunden wird. Und je grösser die Zahl der Gedankenlosen, Leichtfertigen oder Voreiligen ist, welche die durch den Zusammenstoss heraufbeschworne Krisis nicht verstehen und nicht überwinden können oder wollen und demzufolge der Einen Seite mit fanatischer Abweisung der entgegengesetzten sich innerlich und äusserlieh zuwenden: desto nothwendiger musste es den tiefer und edler Angelegten erscheinen , beiden Seiten gerecht zu werden und deren Vereinbarkeit im Denken und Thun nachzuweisen. Und diese Vereinbarkeit wahrer Bildung und echter Wissenschaft mit einer in ihren Lehren und Weisungen vernunftgemässen Religion stand bei den Kundigen nie in Zweifel. Wir finden die feste Ueberzeugung davon in dem Zeiträume arabischer Cultur, welchem MAIMO- NIDES angehört, seit SAADIA, dem ersten Vertreter jenes Verständigungsversuches, bei den Religionsphilosophen verschiedenster Richtung verbreitet. Die augenscheinliche Wirklichkeit und die Speculation der Vernunft mussten mit dem schriftlichen Gesetze und der mündlichen Ueberlieferung zusammenstimmen, um eine Wahrheit oder Lebensnorm als unzweifelhaft aufzuweisen. Im Allgemeinen wird diese Meinung bei unbefangener Prüfung sich kaum bestreiten lassen. Zu weit geht dieselbe nur, wenn — wie vielfach geschehen ist — die Vereinbarung zur Gleichmacherei ausartet; wenn die mannigfachen Verschiedenheiten durch Deutungen gewaltsam ausgeglichen und nicht vielmehr als nothwendige, mindestens unverwerfliche Eigenthtimlichkeiten ihrer bezügliehen Sphären erkannt und dargelegt werden1); wenn endlich die J) So bestimmt maimonides {Beot I, 4 ff.) den guten Weg (הדרך הטובה) und den rechten Weg (הדרך הישרה) nack akistoteles als das ethische Mittelmasz