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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 30

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720961--029-2722971
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26 auch aus verschiedenen Gründen, unter denen die bei allen Differenzen sich erhaltende Aehnlichkeit menschlichen Denkens und Fühlens der nicht am wenigsten wirksame ist, eine gewisse Verwandtschaft zwischen den Aussprüchen der Bibel und der alten Weisen Israels einerseits und der griechischen Denker andererseits in einer mitunter schlagenden Weise hervortritt1), so ist doch die Annahme einer völligen Uebereinstimmung aus historischen Gründen von vornherein unzulässig und zeigt der dennoch versuchte Nachweis eine solche Gewaltsamkeit der Umdeutung2), dass dieselbe den sonst scharf blickenden Forschem nur durch die Macht der festgewurzelten Voraussetzung entgehen konnte. Es war aber nicht ein müssiges Beginnen, ein willkürliches Geistesspiel, jene Vermittelung mit dem Aufgebote alles Scharfsinns herzu- *) Das Mittelmasz im Sittlichen, welches Aristoteles zum Hauptmomente in der Bestimmung des Tugendbegriffes erhebt, findet sich anspruchsloser und darum desto berechtigter in der That schon in den biblischen und nachbiblischen Religionsquellen deutlich genug ausgesprochen. So lautet Spr. 30, 8: «Armuth und Reichthum gieb mir nicht! Lass mich erlangen das mir zugemessene Brod». Die Ermahnung Pred. 7, 16—18 heisst: «Sei nicht zu gerecht (nimm nicht zu viel Rücksicht auf Andere) und klügle nicht im Uebermasz! Warum willst du dich entsetzen (aus Verzweiflung an dem Undank der Anderen oder an dem nicht befriedigenden Erfolge deiner eignen Denkkraft)? Tobe nicht zu sehr (gegen die Ungerechten) und sei kein Thor (lass deinen Geist nicht unbenutzt und unbefruchtet)! Warum willst du zur Unzeit sterben (durch deine Leidenschaft oder deine Unwissenheit)? Besser dass du das Eine ergreifest und auch von dem Andekn deine Hand nicht abziehest (Wohlwollen und Strenge, Lerneifer und Resignation müssen verbunden einander massigen); der Gottesfürchtige entgeht beiden Seiten (die Religiosität lehrt Masz und richtigen Tact)». Uebrigens wird diese Stelle bereits von maimonides als Beleg für das ethische Mittelmasz angeführt (Deot III, 1) und die Worte ואל תתחכם יותר au^ e^ne zu w^it getriebene philosophische Speculation angewendet {Mor. I, 82). — Ebenso gehört dazu eine stelle im palästinischen Talmud (Ghagigah 11, 1): ,התורה הזו דומה לשני שבילים אחד של אור ואחד של שלג׳ הטה בזו מת באור׳ הטה בזו מת בשלג• מה יעשה? יהלך באמצע• — A&0£ V, 16 über die Unbeständigkeit der eigennützigen und die Dauerhaftigkeit der währen Freundschaft findet in aristot. NE VIII, 3. 4 seine Parallele; das Gebot der Ehrerbietung für das Alter (3 Mos. 19, 32) in plato’s Staat V, 465 A und arist. NE IX, 2. 2) Als Beispiel diene die allegorische Deutung von ,אעזך, זונך (Spr. 7, 6 ff.) und ähnlicher Ausdrücke in der Einleitung zum Moreh, wodurch eine entschieden ethische Stelle ihrem eigentlichen Gebiete entzogen und der Metaphysik zuge- ־wiesen wird.

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