Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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25 Grund näherer Kenntniss der Nikomachischen EtJiih in dieser Hinsicht als strenger Aristoteliker und unterlässt eine seiner Natur sonst zusagende Systematisirung, wo sein Führer in der Philosophie eine solche nicht unternommen hatte 1). C. Die vorwiegende Aufgabe der jüdischen Ethik im Zeitalter des Maimonides und dessen SteUnng zu derselben. Im Anschlüsse an das eben Gesagte müssen wir hier sogleich bemerken, dass die Leistungen des MAIMONIDES in der Ethik diejenigen seiner Vorgänger entschieden überragt und dass sein Vorzug im Wesentlichen darauf beruht, dass er auf der Höhe der Bildung und Wissenschaft seiner Zeit stand, in der einschlägigen Literatur durch eigne Lectüre bis zu der ältesten damals maszgebenden Quelle — ARISTOTELES — vorgedrungen war und die dadurch mehr erschwerte als erleichterte Aufgabe der damaligen jüdischen Ethik, die durchgängige Uebereinstimmung zweier wesentlich verschiedenen Gebiete nachzuweisen, mit wunderbarer Belesenheit und Gewandtheit zu lösen unternahm2). Ein völliges Gelingen dieses Versuches war trotz manches günstigen Anscheines und der Zuversicht, womit M. nach dem Vorgange Anderer daran sich begab, nicht gut möglich 3). Depn wenn ף Eint. zu Mot, Ab sehn. IV und Deot I, 4. 2) Die Meisterschaft des maim. in der Auffindung von biblischen oder talmudisch ־ midraschischen Parallelen für philosophische Lehren zeigt sich in der Ethik z. B. Deot II, 7, wo das Aristotelische Mittelmasz in der Bibelstelle Spr. 4,26: פלס מעגל רגלך וכל דרכיו יכונו gefunden wird, indem M. פלס hier im Sinne von «wägen» (wie Spr. 5, 21) nimmt, also: wäge ab, mache gleich, so dass das tcov piaov des akistoteles in der Ethik zu Stande kommt; Mor. III, 54 in der Anführung des Midrasch aus Beresckit rabbci, 35 Schl.: כתוב אחד אומר וכל חפצים לא ישוו בה וגו'• 3) Als Beispiele bleibender Differenzen aus der Ethik mögen dienen die Aeusserungen über das Schamgefühl bei unseren Weisen (Mot Y, 20: ובשת פנים לגן עדן und Mechüta zu 2 Mos. 20,20: ובעבור תהיה יראתו על פניכם) un<1 bei ARISTOTELES (NIE. IY, 15, wo es nur der Jugend als-Vorzug angerechnet wird); ferner wird der Zorn von den jüdischen Weisen so verworfen, dass M. ausnahmsweise das Extrem desselben fordert (Deot II, B), wogegen arist. den Mangel an Selbstbeherrschung im Gebiete des Zornes für minder verwerflich erklärt als im Bereiche der Begierden (NE. VII, 7).