Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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12 werden. Diese Gruppirung erweist sich jedoch als werthlos und meist erzwungen. Neben manchen Berührungen mit der Ethik des Maimonides, sei es in einstimmiger oder in widersprechender Weise, ist besonders das Ihn Gebirol wohlbekannte und wiederholentlich x) geltend gemachte ethische Mittelmasz des Aristoteles hervorzuheben. Aber Ibn Gebirol spricht davon doch nur gelegentlich. Es ist ihm nicht aus Aristoteles selbst bekannt und gilt ihm darum nicht als durchgängiger Mäszstab sittlicher Tugend. So setzt er denn auch jeder Tugend nicht zwei Extreme, sondern nur ein einzelnes Laster gegenüber, welches dann mit derselben eines von den zehn Paaren bildet, die er im Ganzen aufstellt, um sodann Ort und Masz für deren richtige Anwendung und eine beschränkte Berechtigung sogar der im Allgemeinen als Laster bezeichneten Eigenschaften im Besondern nachzuweisen. Dass Maimonides diese ethische Hauptarbeit seines, über ein Jahrhundert älteren und anderweitig berühmten Vorgängers gekannt habe, ist wohl anzunehmen, wenn auch ein bestimmter Nachweis dafür bei Maimonides nicht gefunden wird. Vielleicht hat Maimonides unter ihrem Einflüsse die Aufgabe der Ethik als «Veredelung des Charakters»* 2) bezeichnet. — Möglich ist auch die Benutzung der Perlenlese in einem einzelnen Falle, auf welchen wir an seinem Orte zu sprechen kommen werden. III. BACHJA BEN JOSEPH ist der älteste jüdische Schriftsteller, von dem eine ausführliche Bearbeitung der Ethik auf uns gekommen ist. Er fasst dieselbe wesentlich als Pflichtenlehre auf, indem er zugleich das Moment der Gesinnung, dem unter seinen Zeitgenossen herrschenden Uebergewicht der äussern religiösen Praxis gegenüber, zur Geltung zu bringen versucht. Die äusseren Verpflichtungen zufolge des schriftlichen Gesetzes und der mündlichen Ueberlieferung (חובות האברים) will er in ihrer Geltung nicht antasten, aber neben und *) IV, 1 beim Zorn (wozu P. Deot I, 4 eine interessante Parallele bildet); V; 1 bei der Freigebigkeit; V, 2 beim Geiz; V, 3 über Tapferkeit (wo die Worte ויתנהג בה על הדרך הטובח והישרה an die Ausdrücke דרך טובה und בע הדרך הישרה H. Deot 1, 3. 4 sowie an הדרכים הטובים והישרים in P• Eeot 1, 5. 6 und sonst stark erinnert). 2) Tibbon: יתקון המרות Einleitung zu Äbot, Absclm. T. — Dass Maimonides zu dieser Auffassung noch anderswoher angeregt war, wird unten gezeigt werden.