Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1876
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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6 Stoiker1), sicher aber und für die meisten Fälle ARISTOTELES. Dieser von Maimonides fast den Propheten gleichgestellte Denker2) ist für die Ethik dessen Hauptführer, wie sich uns an zahllosen Beispielen zeigen wird. Maimonides hat die Nikomachische Ethik des Aristoteles gelesen. Man merkt deren Benutzung an allen Orten. Nur selten kommen Ungenauigkeiten vor, zu denen spätere Schriftsteller den Maimonides verleitet haben3). An mehreren Stellen führt Maimonides die Nikomachische Ethik an4) oder giebt Mittheilungen aus derselben5). Die Ungenauigkeit in der Angabe des Buches6) scheint, ihrer unveränderten Widerholung wegen, der dem Maimonides vorliegenden arav bischen Uebersetzung7) und deren abweichender Eintheilung der Bücher zugeschrieben werden zu müssen. Die auffallende Verschiedenheit eines Citates bei Maimonides von dem Original bei Aristoteles8) haben wir wohl Uebersetzern, Erklärern oder Bearbeitern der Nikomachischen Ethik schwerlich aus dessen Schriften direct genommen. Einzelheiten, für welche sich Parallelen bei Plato bieten, sind z. B. dessen Aeusserungen über die Willensfreiheit des Menschen (Bep. X, 617 E; 619 B; Tim. 42 B), über die dem Alter schuldige Ehrerbietung {Bep. V, 465 A, aber auch Aristoteles NE IX, 2 Bkk), über die ethische Bildungsfähigkeit der Jugend (Aristot. NE II, 2 im Namen Plato’s nach dessen De legg. II, p. 653 B; aber auch Aristot. ohne Nennung Plato’s NE II, 1 Schl, und X, 10 sowie Ibn Gebirol in תקוץ מרות הנפש e<k Luneville fol. 7 b); dazu vgl. Maim. zu Abot I, 14. — Maimonides nennt übrigens die Schriften Plato’s dunkel und bilderreich, und deren Lesung entbehrlich für den Studirenden, weil Aristoteles über die philosophischen Systeme vor seiner Zeit das Erforderliehe mittheile. (Brief an Sam. Tibbon fol. 13 ed. Brünn oder קן^ץ II, fol. 28 b). *) Diese, mit Sokrates bei Xenophon combinirt, scheinen unter den קדמונים in der oben (S. 5, Anm. 3) angegebenen Stelle des Maimonides gemeint zu sein. 2) Brief an Sam. Tibbon a. a. 0. 3) S. z. B. schemtob zu Mor. III, 18 und nach ihm munk, Guide III, p. 135 n. 1. 4) Mor. III, 43 und 49 (in letzterem Capitel zwei Mal). 5) Einleitung zu Abot, Abschnitt VI im Namen der «Philosophen» aus Aristoteles NE VII, 11 Bkk; Comm. zu Abot III, 9 unter And. aus Aristoteles NE X, 10; zu Abot V, 14 aus NE VII, 1; Mor. III, 51 über die Hindernisse für die Tugend im jugendlichen Alter nach NE I, 1 und III, 15. 6) Mor. III, 43. 49 wird beide Male das neunte Buch der Nikom. Ethik statt des achten angegeben. 7) Dass viele ethische und verwandte Schriften ins Arabische übersetzt wo'rden, bezeugt Maimonides in seiner «Logischen Terminologie» (14 <(מלות ד,גוון. 8) Zu Abot I, 6 über die Freundschaft aus NE VIII, 3. Ueber die dunklen Worte des Maim. zu Auf. d. St. s. später.