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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1876-01-01 · 1876 · page 6

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1876
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720961--005-2722947
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2 vertieft und verklärt. Eine Scheidung des ethischen und des Rechtsgebietes ist sodann in der nachbiblischen talmudischen Literatur schon eher wahrzunehmen, indem z. B. Mot und ähnliche Tractate Vorzugsweise der Sittenlehre gewidmet sind; aber jene Sonderung ist nicht durehgeführt, die Halachah als der Inbegriff des durch die mündliche Ueberlieferung erläuterten und bereicherten Gesetzes ist vielmehr mit ethischen Bestandtheilen fast nicht weniger versetzt wie die biblischen Quellen derselben. Diese Untermischung und Gleichstellung ist ebenso bezeichnend für den Standpunkt der Gesetzgebung wie sie bedeutungsvoll für die Anwendung gewesen ist. Der unabweisliche Anspruch, die Selbstverständlichkeit des Ethischen im jüdischen Gesetze ist mindestens Eine von den Ursachen, weshalb bei allem Wechsel der äussern Verhältnisse, welcher anderen Völkern Untergang oder moralischen Verfall gebracht, die jüdische Gesammtheit sich wunderbar auf der Höhe der Religiosität und Gesittung erhalten hat; weshalb selbst ihre unerbittlichen Gegner — an denen es nie gefehlt hat, noch fehlen wird — die jüdische Massigkeit, Wohlthätigkeit und Züchtigkeit, die Innigkeit des jüdischen Familienlebens, die gegenseitige Anhänglichkeit unter den Glaubensgenossen anerkennen müssen. Die jüdische Sittenlehre muss also eine alle Verhältnisse umfassende, für jede Lage angemessene, durchaus zulängliche sein, wenn solchergestalt eine nach Jahrtausenden zählende Geschichte von ihrer heilsamen, alle Hindernisse besiegenden Wirksamkeit zeugt. Und in der That, wenn man zu den ausdrücklichen oder andeutenden mosaisehen Lehren die Ergänzungen und Erläuterungen der anderen biblisehen, sowie der apokryphischen Bücher und dann des Talmud und Midrasch hinzunimmt, so wird man in diesen Religionsquellen des Judenthums nicht leicht eine wesentliche ethische Regel oder Weisung für irgend welche Lebenslage vermissen. Was später die zusammenfassenden Darstellungen der Ethik in der jüdischen Literatur als ihre Aufgabe betrachteten, war in der Regel nicht eine Bereicherung des in den Quellen niedergelegten Stoffes; sondern eine Zusammenfassung und Einreihung desselben in eine anderswoher gewonnene und geläufig gewordene Form und Fassung. Wie die philosophischen Studien das Gebiet der jüdischen Glaubens-

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