Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1875-01-01 · 1875 · page 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1875
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 103)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2720904-2720963--102-2722898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

205 5. Berossos und Josephus. Dass Josephus nicht Berossos selbst, sondern die Excerpte des Polyhistors ausgeschrieben habe, wird mit nicht triftigen Gründen von M. Niebuhr (S. 13) zu erweisen gesucht. Die Josephischen Fragmente sollen 'nicht aussehen wie!ursprünglicher Text’ sondern wie Auszüge. Um eine solche Behauptung wagen zu können, müssten wir den ursprünglichen Text des Berossos, wenigstens irgend einen Rest desselben kennen gelernt haben. Aber ausser in Auszügen findet sich auch nicht das geringste Ueberbleibsel der XccldcüKa. Das aber wissen wir über das Werk Berossos’, dass die gesammte Geschichte der Babylonischen Könige von Nabonassar bis zur Perserzeit in einem einzigen Abschnitte — dem dritten Buche — enthalten war. Ist es da wahrscheinlich, dass der Text viel ausführlicher war, als die Fragmente bei Josephus? Und ist es glaublich, dass der chaldäische Priester eine Geschichte im Stile des Thukydides oder Polybios geschrieben hat, zu der denn freilich diese Fragmente nicht passen würden? Uebrigens hat ja Josephus in der That Vieles ausgelassen, das ihm überflüssig zu sein schien (c. Ap. I 20), sodass zwar die Beobachtung Niebuhrs richtig ist, nicht aber der Schluss, den er daraus zieht. Niebuhr meint ferner, es sei nicht glaublich, dass Berossos ' an einer Stelle die Geschichte des Nabukudrussur vom ersten Anfang bis zum Ende . . . erzählt, alles Andere aber ... an einer anderen Stelle vorgebracht3 habe. Auch dieser einzig gewichtige Einwand ist leicht zu heben. Das Fragment bei Josephus (c. Ap. I 20) schliesst sich nicht unmittelbar an das (das. c. 19) voraufgehende, sondern Josephus verzeichnet ausdrücklich eine grössere Lücke zwischen beiden (tczvtcc iGzoQTjCs v.ctl nolXa tzqoq Tovtoi.g). Am Schlüsse des von Josephus übergangenen Berichtes war von einem anderen Bau als der Ummauerung Babylons die Rede gewesen, auf den sich die Worte {18xa tö apgaaöm rov 7tQ0s1Qr}11hov r8L%ovg (I 20) beziehen. Denn nicht jene kann hierunter verstanden sein, weil sie von Nabukodrossor vollendet, der Bau dieser Mauer aber durch seinen Tod unterbrochen ward; weil dort ferner von sechs TtSQißoloL, hier nur von Einer Mauer gesprochen wird. Dass nun aber der baulustige König zu verschiedenen Zeiten Mauern hat ziehen lassen, und dass Berossos am Anfänge und Schlüsse seines Berichtes von diesen Bauten erzählt, ist nicht auffallend. —'Warum — fragt Niebuhr weiter — hat Josephus den Berossos nur so sehr selten angeführt? und ausser den beiden erwähnten Fragmenten nur solche Stellen citirt, die wir auch aus dem Eusebius kennen, welche also im Auszuge des Polyhistor standen?’ Billig aber sollte es Verwunderung erregen, nicht dass Josephus ihn so selten, sondern dass er ihn so häufig citirt. Denn er führt ihn siebenmal an, häufiger als irgend einen anderen Schriftsteller bis auf den Herodot und Nikolaos von Damaskos, häufiger als selbst den Manetho, dessen Darstellung doch viel mehr Berührungspunkte mit der jüdischen Geschichte darbieten musste, als die des Berossos. Im übrigen kennen wir aus Josephus allein nicht bloss das Ant. Xll, c. Ap. I, 19 und 20, sondern auch das Ant. I 3, 9 und 17, 2 Berichtete. Wahrscheinlich aber hat Josephus stillschweigend noch vieles Andere dem Berossos entlehnt, wie z. B. den Ant. X 11, 2 erhaltenen Bericht. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass der Berossos, der Josephus vorlag, schon ebenso überarbeitet war, wie Manetho; aber diese Ueberarbeitung war keinesfalls die des Polyhistors. 6. Zu den Fragmenten des Demetrios. Welchen Titel Demetrios seiner Schrift gegeben hat, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Eus. giebt gar keinen an, und der von Clemens genannte, tisql rav sv xrj ’lovdcdcc ßaGilECüv (I 21. 403), passt auf die überwiegende Zahl der Fragmente, wrelehe die Geschichte der Patriarchen sehr ausführlich erzählen, nicht. Entweder hat also

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.