Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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202 einen sehr schätzbaren kritischen Apparat, aber keine kritische Ausgabe der praeparatio besitzen. 2. Aenderungen des Eusebios und Copistenfehler. Es ist oft unmöglich nachzuweisen, ob die zahlreichen Abweichungen vom Text der excerpirten Schriftsteller von Eusebios selbst herrühren, oder von ihm in seinen Vorlagen vorgefunden, oder nach ihm durch die Schuld der Abschreiber entstanden sind־ Wo eine simistörende, in Folge eines Homoioteleuton, des häufigsten Grundes für die Versehen der Abschreiber, oder eine aus anderem Grunde entstandene, durch Copistenversehen leicht erklärliche Lücke sich zeigt, darf präsumirt werden, dass eher ein gedankenloser Abschreiber, als der zu bestimmten Zwecken und meistens mit Achtung für den Gedanken excerpirende Eusebios den Fehler verschuldet habe. So 287all. 293c5. 293 d 9. 385 a 7. 462d 7. 500 d 3. 528 c 6. 699 a 10. Dasselbe gilt von Versehen wie 385 c 1. 8. 405 c 1 und zahlreichen anderen, die zum Theil schon dg nach den Autoren berichtigen, und aus gutem Grunde. Denn es scheint nicht gerechtfertigt, Eus. gerade darum in übelster Verfassung zu lassen, weil er aus den excerpirten Texten leichter als irgend ein anderer selbständiger Schriftsteller geheilt werden könnte. Freilich darf nicht auf gut Glück jede gute Lesart aus den alten Schriftstellern herübergenommen werden, sondern in jedem einzelnen Falle muss eine auf Kenntniss des Eusebischen Verfahrens beruhende Kritik prüfen, ob mit Wahrscheinlichkeit das Verderbniss auf Eus. und seine Vorlagen oder auf spätere Copisten zurückgeführt werden kann. So sind die durch Abirren des. Auges beim Abschreiben erklärlichen Lücken (s. z. B. 185 d 5. 187 d 12. 383 c 5) nicht zu ändern, weil Eus. Doppelglieder nicht selten beseitigt (s. 188 d 11. 385 b 8). Ebensowenig dürfen kleine von Eus. zur Verdeutlichung eingeschobene Zu- Sätze getilgt werden, wie z. B. 206 b 12. Es darf ferner nirgends nach den Schrift- Stellern corrigirt werden, wo Eus. (wie IX 4. 5. 9 den Josephus, X 4. 5 den Clemens) ausschreibt, ohne zu citiren, weil er hier (nach S. 6) absichtlich ändert. Um seine Excerpte, die er oft mitten aus dem Satze herausschneidet, verständlich zu machen, ändert er ferner häufig die Anfangsworte (z. B. VII 13. 323 b; XIII 19. 708 a 4, wo inavLOv in inavuov verwandelt werden musste, weil nach Abschneidung des ersten Satzgliedes dem Neutrum die Beziehung fehlte). Ueberhaupt haben besonders die Anfänge der Excerpte gelitten (vgl. z. B. 409 b 3. 524 d 7). Auf Eus. selbst sind ferner die grossen Lücken zurückzuführen, die sich an verschiedenen Stellen der Excerpte finden 472 a 2. XII 51 Anf. Xni 9 Anf. 748 d. 749a 11. 753b 7 und sonst. Bisweilen ist jedoch durch richtige Interpunction und Umstellung der Worte zu helfen. So gehören die Worte 271a 5: xa de ä%0 xvxrjg toicivtcc nicht Alexander, sondern noch Eus. selbst an. 166c 7 wird eine Lücke bezeichnet, wo keine ist; das. d 10 eine Lücke von mehr als 8 capp. nicht bezeichnet — durch Schuld der Abschreiber, welche die Worte xovzoig e£rjg e7tays1 Xkyoov einige Zeilen zu früh einrückten. An vielen Stellen wird es immer zweifelhaft bleiben, ob Eus. geändert oder spätere Copisten gesündigt haben. Wer darum auch Fehler und Lücken wie die oben zuerst erwähnten aus den excerpirten Texten zu bessern und zu füllen ansteht, der hat hierzu volles Recht. Doch muss er dann sich entschliessen, den Eusebischen Text, wie ihn die Handschriften bieten, überall mit allen seinen kläglichen Verderbnissen hinzunehmen, selbst da, wo er durch Conjectur oder Vergleichung der excerpirten Schriften leicht zu bessern wäre; der darf eben an keiner Stelle, sie lade noch so sehr zur Emendation ein, die Handschriften verlassen. Ungerechtfertigt aber ist das schwankende Verfahren der bisherigen Herausgeber, die oft an zweifelhaften Stellen gegen die Codices ändern und an sicher verderbten einzig ihrer Autorität folgen.