Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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197 philosophisch allegorisirenden Darstellungen flüchtete der von der Gegenwart abgestossene, nach Idealem verlangende Sinn, und wenig kümmerte es ihn, dass durch sein buntes Spiel die einfache Wahrheit der Thatsachen gleichsam verdeckt ward. Dergleichen phantastische Umgestaltungen der Ueberlieferung aber, wie wir sie bei Eupolemos und Josephus, im Midrasch und bei Philon finden, mit Trug und absichtlicher Geschichtsfälschung des Pseudo ־ Aristeas identificiren zu wollen, verräth eine völlige Verkennung dieser Zeit und ihrer Bestrebungen. — War nun den Hellenisten die palästinische Heimath zur Fremde geworden, so konnte die Fremde ihnen nicht zur Heimath werden. Sie lebten unter einer feindlichen Bevölkerung. Sie standen einem Publikum gegenüber, das, durch Rhetorenge־ schwätz und Spottsucht verderbt, durch Afterglauben oder Unglauben bethört, unreligiös in seinen höchsten Kreisen, blindgläubig und bildungslos in den unteren Schichten war*, das zum grossen Theil gegen die fremdartige Religion von Vorurtheilen, gegen ihre Be־ kenn er von Neid und Hass erfüllt war und diese trotz aller offi־ eieilen Anerkennung nie als vollberechtigte Mitbürger, sondern als fremde Eindringlinge angesehen hat. Gegen den Spott der Einen, gegen die Angriffe der Anderen, gegen das stille, aber um so hart־ näckigere Vorurth eil der Massen mussten die jüdischen Hellenisten kämpfen. Und wie schwer ward ihnen dieser Kampf gemacht! Welche Anklagen waren nicht gegen das jüdische Volk und seine Religion erhoben worden! Die erhebendste Erinnerung der jüdischen Geschichte, die Erlösung aus Aegypten, war ihnen vergiftet worden durch die von ägyptischen Hellenisten ersonnene Lüge ihrer Vertreibung wegen einer schrecklichen Krankheit. Im Tempel zu Jerusalem sollte ein Eselskopf angebetet, Hass gegen die Menschen von der Religion gelehrt werden, als deren einziges Grundprincip Hillel in nicht viel späterer Zeit die Menschenliebe erkannte. Ja das entgötterte Heidenthum wagte es, dem Judenthurn Gottlosigkeit vorzuwerfen, demselben Judenthum, das in dieser Zeit kaum einen anderen Gedanken hatte, als Gott, dessen Religionseifer sich damals bis zum Fanatismus steigerte, das für seinen Gott alle Unterdrückung daheim, allen Sp 0 tt und alle Anfeindung in der Fremde geduldig ertrug. Solchen Gegnern gegenüber musste die Geschichte zur Apologetik werden, und alle die hier besprochenen Geschichtschreiber sind Apologeten ihres Volkes und ihrer Religion gewesen. Nicht um die alte, dunkle