Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1875
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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194 Fälschungen genug innerhalb der jüdisch-hellenistischen Litteratur. AberwährendEitelkeitundGewinnsuchtbei den griechischen Fälschern die fruchtbarsten Motive ihrer Unterschiebungen waren, sind es bei den jüdischen Hellenisten und selbst bei einem Manne wie dem falschen Aristeas-Artapanos apologetische Zwecke, die erreicht werden sollen. Auch nicht der Schatten eines Beweises ist, wie oben (S. 183) schon bemerkt worden, dafür beizubringen, dass je ein jüdischer Hellenist seinem Werk einen berühmten Namen vorgesetzt hätte, um, wie es die Griechen thaten, seine Kunstfertigkeit zu beweisen oder es zu hohem Preise an Freunde der Wissenschaft zu verkaufen. Es giebt ferner keine von jüdischen Hellenisten ausgegangene Interpolation, keine Trugschrift, die nicht auf griechische Muster hinwiese, die nicht Veranlassung und Vorbild gefunden hätte an tausendfältigen Beispielen griechischer Fälschungen, an interpolirten Dichtern und Prosaisten, an gefälschten Briefen und Decreten, Orakeln und Weissagungen, Orphischen und Sibjdlinischen Schriften, an untergeschobenen lyrischen, dramatischen und gnomisclien Gedichten, religiösen, historischen und philosophischen Werken. Vergegenwärtigt man sich nun die unendliche Zahl und Bedeutung der christlichen Pseudepigraphen, der apokryphen Evangelien und Apostelgeschichten, der gefälschten Apokalypsen und Briefe bis zu den Isidorischen Decretalen und viel späteren Machwerken herab, so wird man über die Briefe des Eupolemos und selbst über die Trugschrift des Artapanos ein milderes Urtheil fällen. Sie bleiben eine verwerfliche Erscheinung innerhalb der hellenistischen Litteratur; doch sie sind durch die allgemeine Sitte oder Unsitte der Zeit erklärt und in gewissem Sinne entschuldigt. Unbegreiflich aber ist, dass diesen That- Sachen gegenüber Männer wie Scaliger (Thes. ternp. p. 405), zu dessen Zeit freilich erst der kleinste Theil griechischer und christlicher Pseudepigraphen ans Licht gezogen war, und sogar neuere Gelehrte von Valckenaer’s hellem Blick, von Cobet’s kritischer Meisterschaft die Trugschriftstellerei jüdischer Hellenisten aus der Naturanlage des jüdischen Volkes herleiten mochten; dass selbst ein Mann, mild und gelehrt wie Boeckh, die Worte schreiben konnte: docti Iudaei. . impia magis quam pia fraude, Hebraeorum naturae insita, celeberrimis Graecorum poetarum multos versus supposuerunt (Gr. Trag. Princ. p. 146). — Doch die schädlichen äusseren Einflüsse hätten überwunden werden können durch eine stetige Entwickelung der eigenen